https://www.faz.net/-gpf-7bxkd

Reformationstag : Widerstand gegen Luther-Feiertag

  • Aktualisiert am

„Ohne Reformation wäre Deutschland nicht das Land, das es ist.“ Bild: dpa

Der Reformationstag soll 2017 einmalig zum bundesweiten Feiertag erklärt werden. Unternehmensverbände sind dagegen. Sie fürchten Kosten in Milliardenhöhe.

          In der Wirtschaft stoßen Bestrebungen auf Widerstand, den Tag der 500-Jahr-Feier der Reformation im Jahr 2017 zu einem einmaligen gesetzlichen Feiertag zu erklären. Zwar sei der Ruf nach einem Sonderfeiertag für diesen Anlass „durchaus nachvollziehbar“, äußert der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Nordrhein-Westfalen, Luitwin Mallmann, in einem der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegenden Schreiben. Doch sei zu fragen, ob der durch einen zusätzlichen Feiertag entstehende Schaden nicht zu groß sei.

          Ein zusätzlicher Feiertag verursache allein in Nordrhein-Westfalen volkswirtschaftliche Kosten von „bis zu 500 Millionen Euro“. „Bundesweit kommen da leicht mehrere Milliarden Euro zusammen“, rechnet Mallmann. Man könne kein „aufwendiges Fest“ veranstalten, die „Rechnung dafür“ aber einem Dritten zustellen.

          In Ostdeutschland ohnehin Feiertag

          Zwar wäre Deutschland ohne die Reformation „nicht das Land, das es heute ist“. Dies gelte insbesondere für das Wirtschaftsleben, das infolge der Reformation vielfältige Impulse für Bildung, Innovation und Gewerbefleiß erhalten habe, so Mallmann. Es gelte allerdings, das „würdige Begehen“ der 500-Jahr-Feier in ein angemessenes Verhältnis zu den wirtschaftlichen Kosten zu setzen. Mallmann legt dazu einen Kompromissvorschlag vor: Der 31. Oktober 2017, ein Dienstag, könnte per Bundesgesetz zum Ruhe- und Gedenktag erklärt werden, wie es im Arbeitszeitgesetz auch für reguläre Sonntage vorgesehen ist. Im Gegensatz zu einem Feiertag könnte damit die an diesem Tag wegen des Ruhegebots nicht geleistete Arbeit vorgearbeitet oder nachgeholt werden.

          Der Reformationstag ist in den fünf ostdeutschen Ländern ohnehin gesetzlicher Feiertag. Das Vorhaben, ihn einmalig für das Jahr 2017 in ganz Deutschland zum Feiertag zu machen, wird von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) unterstützt. Die Länder Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Saarland, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen haben entweder bereits entsprechende Beschlüsse gefasst oder zumindest Unterstützung signalisiert.

          Weitere Themen

          Das Ende der Einsamkeit Video-Seite öffnen

          Insel Sokotra im Jemen : Das Ende der Einsamkeit

          Der Artenreichtum der Insel Sokotra hat sie zum Weltkulturerbe gemacht. Doch das Paradies ist von politischen Verwerfungen bedroht: Die Hilfe aus Saudi-Arabien und den Emiraten ist auch ein Zeichen von Autoritätsverlust.

          Mursi in Kairo beigesetzt

          Ägyptens ehemaliger Staatschef : Mursi in Kairo beigesetzt

          Der plötzliche Tod des früheren ägyptischen Präsidenten Muhammad Mursi soll Folge eines Herzinfarkts gewesen sein, berichten Staatsmedien. Dessen Partei spricht von Mord, Menschenrechtler fordern eine Untersuchung.

          Topmeldungen

          China hat im Monat April so wenig amerikanische Schuldtitel gehalten wie seit zwei Jahren nicht mehr.

          Handelskonflikt : Spielt China seinen nächsten Trumpf aus?

          Mitten im Handelskrieg der beiden größten Wirtschaftsmächte verkauft Peking so viele amerikanische Staatsanleihen wie seit Jahren nicht mehr. Zieht China nach seiner angedrohten Beschränkung des Exports der Seltenen Erden nun seine nächste Waffe?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.