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Reform der Kirche : Katholizismus der deutschen Besserwisser

  • -Aktualisiert am

Papst Franziskus während eines Gottesdienstes zur Eröffnung der zweijährigen Weltsynode. Bild: dpa

Es gibt gute Gründe, skeptisch zu sein, dass der „Synodale Weg“ des Papstes zu einem Ziel führt. Dennoch ist es falsch, sich in das Schneckenhaus eines deutschen Besserwisser-Katholizismus zurückzuziehen.

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          Es könnte das revolutionärste Projekt der katholischen Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil vor mehr als fünfzig Jahren sein: Papst Franziskus hat die Katholiken in aller Welt aufgerufen, darüber zu diskutieren, wie sie sich die Kirche von morgen vorstellen. Die Sache hat nur einen Haken: Am Ende filtern erst die Bischöfe und dann der Papst die Vorschläge nach eigenem Gutdünken.

          Man muss in demokratischen Beschlüssen oder Meinungsumfragen nicht das Allheilmittel für den Weg aus der kirchlichen Misere sehen: Aber die Selbstverständlichkeit, mit der Franziskus voraussetzt, dass allein die Bischöfe und er selbst zu erkennen vermögen, ob ein Reformanliegen sich dem Brausen des Heiligen Geistes oder nur dem lauen Lüftchen des Zeitgeistes verdankt, wirkt aus der Zeit gefallen. Es gibt daher gute Gründe, skeptisch zu sein, dass dieser „Synodale Weg“ des Papstes zu einem Ziel führt, das über die Erweiterung des Fremdwortschatzes hinausreicht.

          Dennoch war es ein Fehler der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, der Auftaktveranstaltung im Vatikan fernzubleiben. Wer sich beleidigt in das Schneckenhaus eines deutschen Besserwisser-Katholizismus zurückzieht, weil der Papst nicht das deutsche Modell des „Synodalen Weges“ eins zu eins kopiert, der darf sich nicht darüber beschweren, wenn die römischen Monsignori in Deutschland eine zweite Reformation wittern.

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

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