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Reform der Bundeswehr : Frank-Jürgen Weise - der Springer

„Ein Freund von starken, guten staatlichen Institutionen” Bild: REUTERS

Als ausgebildeter Fallschirmjäger wagt der Chef der Bundesanstalt für Arbeit nun einen weiteren großen Sprung: Frank-Jürgen Weise soll im Auftrag von Minister zu Guttenberg nun auch die Bundeswehr umbauen - als Leiter der Strukturkommission im Verteidigungsministerium.

          Der Sprung ins Nicht-so-ganz-Gewisse ist Frank-Jürgen Weise vertraut. Er ist bei der Bundeswehr zum Fallschirmjäger ausgebildet worden und ist nach eigenem Bekunden „alles gesprungen, was fliegt“. Der Sprung, den er jetzt wagt, findet über dichtem Gestrüpp statt. Jedenfalls hat sein Auftraggeber, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, das Bild gebraucht, es gebe in der Bundeswehr „das eine oder andere“, was über Jahrzehnte gewachsen sei, als er die Aufgaben der von ihm berufenen Strukturkommission beschrieb, die Weise anführen soll. Bis zum Ende dieses Jahres soll die kleine, sechsköpfige Gruppe Vorschläge unterbreiten, wie die Bundeswehr wirkungsvoller und einsatztauglicher gemacht werden kann.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Weises Benennung war schon deshalb eine Überraschung, weil man nicht unbedingt vermuten konnte, dass der Chef der Bundesanstalt für Arbeit nebenher Zeit für eine derart herkulische Aufgabe aufbringen kann. Doch Weise traut sich das zu: „Ich mache alles zusätzlich, freiwillig und, wenn es notwendig ist, auch am Wochenende.“ So erscheint diese Personalentscheidung Guttenbergs als vielversprechend. Weder ist die Wahl auf einen „Kästchenzeichner“ aus dem eigenen Hause gefallen noch auf einen „elder statesman“. Das sagt etwas über die Erwartungen aus, die der Minister an die Kommission stellt: Weder soll sie sich auf das gedankliche Hin- und Herschieben von Divisionskästchen beschränken noch etwa philosophisch-grundsätzlich an die Sache herangehen.

          Weise kennt die Bundeswehr von innen

          Weise kommt von außen, hat also nicht auf eigene frühere Entscheidungen Rücksicht zu nehmen. Er kennt anderseits den Laden von innen, nicht nur aus zwölf Jahren als Zeitsoldat (seit 1972), sondern auch als aktiver Reservist. Weise, 1951 im sächsischen Radebeul geboren, aber in Franken groß geworden, führte mehrere Jahre als Reserveoffizier ein Bataillon, war stellvertretender Regimentskommandeur und ist derzeit im höchsten Dienstgrad, den ein Reservist erlangen kann, als Oberst der Reserve mit militärpolitischen Aufgaben betraut. Weise ist Dezernent beim militärischen Vertreter Deutschlands bei der Nato in Brüssel und hat in dieser Eigenschaft Wehrübungen auch in Afghanistan absolviert.

          Frank-Jürgen Weise

          Zugleich hat Weise, der als Soldat Betriebswirtschaftslehre studierte, nach seinem Ausscheiden einen erfolgreichen Werdegang in der zivilen Wirtschaft gehabt, zuletzt als Personalchef in der traditionsreichen, aber mühsam sanierten Schweinfurter Firma Kugelfischer. Der Vater zweier erwachsener Kinder ist verheiratet mit einer Lehrerin. CDU-Mitglied ist er seit den siebziger Jahren.

          Seine wesentliche Referenz für die zusätzliche Aufgabe ist aber die Umgestaltung der Bundesanstalt für Arbeit, in deren Vorstand er 2002 kam. Kenner der Arbeitsmarktpolitik bescheinigen ihm uneitle, sachliche Beharrlichkeit, mit der er die Reform der Behörde mit mehr als 80.000 Mitarbeitern vorangebracht habe. Dabei stellte sich Weise am Montag eher als Etatist denn als Privatisierungsfanatiker vor: Er sei ein Freund von „starken, guten staatlichen Institutionen“.

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