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Rededuell vor der Landtagswahl : Der nette Herr Söder

Natascha Kohnen die SPD-Landesvorsitzende und Spitzenkandidatin in Bayern, und Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, stehen während eines Wahlduells in Nürnberg zusammen auf der Bühne. Bild: dpa

Die SPD steckt im Umfragetief und darf deshalb nicht zum Fernsehduell mit dem bayerischen Ministerpräsidenten. In Nürnberg trifft SPD-Spitzenkandidatin Kohnen doch noch auf Söder – und steht vor einer besonderen Herausforderung.

          Eines wird bei diesem Wahlduell schnell klar: Markus Söder treibt wahrscheinlich vieles um – die schlechten Umfragewerte seiner Partei, das Gebaren seines Parteichefs Horst Seehofer im Fall Maaßen, vielleicht sogar die Sorge um seine Zukunft als Ministerpräsident. Aber Natascha Kohnen gehört nicht zu den Dingen, die Söder Angst machen. Gelassen bestreitet er die Gesprächsrunde mit der SPD-Spitzenkandidatin, das wahrscheinlich einzige öffentliche Aufeinandertreffen der beiden vor der Landtagswahl am 14. Oktober, organisiert von den „Nürnberger Nachrichten“.

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          Der Bayerische Rundfunk (BR) hat sich nämlich gegen ein Fernsehduell Söder-Kohnen entschieden. Anders als bisher üblich wollte der Sender nicht mehr das letzte Wahlergebnis als Grundlage für eine Einladung zum Duell mit dem Ministerpräsidenten heranzuziehen, sondern die aktuellen Umfragewerte. Und im BR-„Bayerntrend“ vom 12. September liegt die SPD derzeit hinter den Grünen: Die Sozialdemokraten kommen auf elf, die Grünen auf 17 Prozent. Deshalb darf der Grünen-Spitzenkandidat Ludwig Hartmann – der bei der Landtagswahl im Duo mit Katharina Schulze antritt – am 26. September Söder herausfordern und nicht Kohnen, deren SPD immerhin noch die stärkste Oppositionspartei im Landtag ist.

          Konflikt um GBW-Wohnungen

          Bei der SPD hat die Entscheidung des BR für einige Empörung gesorgt – „völlig absurd“ nannte sie etwa der bayerische Generalsekretär Uli Grötsch. Er warf dem Sender vor, dadurch massiv in den Wahlkampf einzugreifen. Erreicht haben die Sozialdemokraten mit ihrer Kritik bislang allerdings nichts. 

          Und so wirkt es, als seien die „Nürnberger Nachrichten“ mit ihrem Wahlduell im Saal des Restaurants Gutmann in die vom BR geöffnete Lücke gestoßen. Nach Angaben der Zeitung sind die Grundlagen für das Aufeinandertreffen von Kohnen und Söder in dessen Heimatstadt Nürnberg aber schon im Frühjahr gelegt worden – lange vor der Polemik um die „Duell-Politik“ des BR.

          Durch die neunzig Minuten lange Gesprächsrunde, die per Livestream übertragen wird, führen die Chefredakteure der Zeitung. Sie befragen Kohnen und Söder zu den zentralen Streitthemen des Wahlkampfs – Migrationspolitik, innere Sicherheit, Wohnungsnot –, und die beiden diskutieren und attackieren sich. Sie gehen dabei aber nie unter die Gürtellinie, sind nicht laut und polternd, sondern respektvoll. Und unterhaltsam: Das Publikum lacht an einigen Stellen laut auf – vor allem über scherzhafte Bemerkungen des Ministerpräsidenten.

          Drei Stärken Söders?

          Etwa als Söder den Vorwurf Kohnens pariert, seine Entscheidung von 2013 – damals war Söder noch Finanzminister –, die Anteile der Bayerischen Landesbank an etwa 32.000 Wohnungen der bayerischen Wohnungsgesellschaft GBW zu verkaufen, sei ein Grund für die derzeitige Wohnungsnot. Die Rettung der Bank sei – zusammen mit seiner derzeitigen Aufgabe – die schwierigste in seiner politischen Laufbahn gewesen, sagt Söder. Und schiebt gleich darauf hinterher: „Ich meine nicht die Diskussion hier.“

          Dass mehr bezahlbarer Wohnraum für alle bayerischen Bürger eines ihrer Hauptanliegen ist, macht Kohnen in der Debatte deutlich. Sie fordert 5000 neue Wohnungen pro Jahr, eine Verlängerung der Sozialbindung und dass der Freistaat Flächen, die er nicht selbst nutzt, den Kommunen zu guten Konditionen überlässt. Gezündet hat das SPD-Thema Wohnen im Wahlkampf bisher allerdings höchstens mittelgut. Am Wochenende gingen in München aber immerhin etwa zehntausend Menschen für bezahlbares Wohnen auf die Straße – darunter auch Kohnen.

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