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Rechtsextremistischer Terror : Verfassungsschutz wollte „NSU“ Geld zukommen lassen

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Angeblich soll der thüringische Verfassungsschutz der Zwickauer Terrorzelle im Jahr 2000 mehr als 2000 Mark für gefälschte Pässe haben zukommen lassen Bild: dpa

Der Thüringer Verfassungsschutz hat vor mehr als zehn Jahren versucht, dem rechtsextremistischen Trio „NSU“ 2000 Mark für falsche Ausweispapiere zuzuleiten. Das Vorhaben sei jedoch gescheitert.

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          Das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz hat offenbar versucht, dem rechtsextremistischen Trio „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) 2000 Mark für falsche Ausweispapiere zuzuleiten. Eine entsprechende Aussage eines ehemaligen Mitarbeiters des Thüringer Landesamtes hat die Behörde am Sonntag auf Nachfrage der F.A.Z. bestätigt. Nach Auskunft eines ehemaligen Mitarbeiters soll das Amt im Jahre 1998 oder 1999 den Versuch unternommen haben, „Kenntnis über Tarnidentitäten zum Zwecke der Ergreifung des Trios zu erlangen“. Dazu seien über einen V-Mann einem Dritten 2000 Mark zur Beschaffung falscher Ausweispapiere zugeleitet worden. Das Vorhaben sei jedoch gescheitert, weil der Dritte das Geld für sich selbst verwandt habe.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Dieser Hinweis wurde in der Mitte November vom Innenminister eingesetzten „Schäfer“-Kommission erörtert. In der geheim tagenden Kontrollkommission des Thüringer Landtags soll der ehemalige Mitarbeiter am 6. Dezember erstmals von der Geldzahlung berichtet haben. Die „Bild am Sonntag“ hatte hingegen berichtet, dass die Erkennung der Tarnidentitäten daran scheiterte, dass das Trio die neuen Pässe in Sachsen und nicht in Thüringen beantragte, die sächsischen Meldeämter aber nicht eingeweiht waren. Der Verfassungsschutz habe im Jahr 2000 dem NPD-Funktionär Tino Brandt 2000 Mark übergeben, der unter dem Decknamen „Otto“ als V-Mann für die Behörde gearbeitet habe, berichtete die Zeitung. Brandt sollte das Geld dem Bericht zufolge an das seit 1998 gesuchte Neonazi-Trio weiterleiten.

          Unterdessen bemüht sich das Bundeskriminalamt (BKA), das enttäuschend geringe Aufkommen an Hinweisen zu vergrößern, die seit Beginn der öffentlichen Fahndung eingegangen sind. Die Bundesanwaltschaft und das Bundeskriminalamt suchen seit dem Wochenende auch im sozialen Netzwerk „Facebook“ nach Personen, die Angaben zu Aufenthaltsorten des Trios Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe machen können. Zeugen können sich unter „www.facebook.com/bka.wiesbaden“ melden. Trotz massiver konventioneller Öffentlichkeitsarbeit waren Ende der vergangenen Woche nur etwa 560 Hinweise eingegangen. Nur ein Bruchteil der eingehenden Meldungen sind tatsächlich fahndungsrelevant. Beim BKA zweifelt man, ob die klassischen Aufrufe per Plakat und Pressekonferenz noch weit genug in die Gesellschaft hineinreichen.

          Die Mitglieder der Terrororganisation "Nationalsozialistischer Untergrund": Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos

          Nach Medienberichten soll eine Spur der Gruppe NSU nach Ludwigshafen führen, wo im Februar 2008 ein von Türken bewohntes Haus in Flammen aufging. Ein Neonazi namens Malte R. soll Kontakt zu dem Terror-Trio gehabt haben. Die Ermittlungen nach dem Brand wurden eingestellt; das rheinland-pfälzische Innenministerium wies die Darstellung zurück, dass Malte R. nun verdächtigt werde. Der Vater des mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos will sich nach Angaben des „Spiegels“ bei den Angehörigen der Opfer entschuldigen. Er habe vergeblich versucht, den Sohn vom Abdriften in die rechtsextreme Szene abzuhalten.

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