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Identitäre Bewegung : Spartanischer Aktivismus auf dem Brandenburger Tor

Die Initiative wurde einst von Kubitschek, dem Herausgeber des verschwörungstheoretischen „Compact“-Magazins Jürgen Elsässer und dem AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider gegründet. Zu den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt forderte die AfD ihre Anhänger auf, sich bei der „Ein Prozent“-Initiative als Wahlbeobachter registrieren zu lassen.

„Aktionen wie der ,Identitären Bewegung’ auf dem Brandenburger Tor folgen einer Raum- und Wortergreifungsstrategie innerhalb der Medienmechanismen unserer Zeit. Was man sonst nicht mitbestimmen kann und darf, etwa die tägliche Berichterstattung über existentielle Themen, kann man auf diese Weise anstoßen und schlagartig prägen“, sagte Kubitschek der F.A.Z. am Sonntag. Die Aktionen sollen also vor allem eines erreichen: Aufmerksamkeit erzeugen. Die Frage, ob er selbst beteiligt war, wollte Kubitschek nicht beantworten.

Es war nicht die erste Provokation der „Identitären Bewegung“. Im April spazierten ihre Aktivisten mit muslimischer Vollverschleierung am Ostseebad von Warnemünde entlang, trugen Schilder mit der Forderung „Unterwerft euch!“ und schrien „Allahu Akbar“.

„Identitäre Bewegung“ lehnt Einwanderung von Muslimen ab

Videos solcher Aktionen werden, mit Rockmusik unterlegt, von den Beteiligten wie Mutproben zelebriert. Die „Bewegung“ wird mittlerweile von neun Landesämtern und dem Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet. Es gebe „Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung“, sagte der Präsident des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen kürzlich.

„So werden Zuwanderer islamischen Glaubens oder aus dem Nahen Osten in extremistischer Weise diffamiert.“ Selbst die als wenig zaghaft geltende AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“ (JA) hatte sich im Juli von der „Identitären Bewegung“ distanziert. Man ziehe eine „klare Linie“, sagte damals der JA-Vorsitzende Sven Tritschler der F.A.Z..

Die „Identitäre Bewegung“ reagierte darauf mit einer Stellungnahme, in der hieß es, es gebe „keine organistorische Verbindung“ zwischen ihnen und der AfD. Man wende sich entschieden gegen „jeden Extremismus und Rassimus“. Die „Distanzierungen und Querschüsse“ vonseiten der AfD empfinde man als „unangemessen“. Tatsächlich vertritt die „Identitäre Bewegung“ einen „Ethnopluralismus“. In diesem werden ausländische Kulturen nicht als minderwertig gesehen, es wird aber vor einer Vermischung von Ethnien und Kulturen gewarnt. Jede Ethnie und Kultur solle „auf ihrem geschichtlich gewachsenen Gebiet“ verbleiben. Dementsprechend lehnt die „Identitäre Bewegung“ etwa die Einwanderung von Muslimen nach Deutschland grundsätzlich ab.

Auf die Frage, ob die „Neue Rechte“ und die „Identitäre Bewegung“ ethnischen und kulturellen Reinheitsvorstellungen anhänge, sagte Kubitschek dieser Zeitung: „Es geht nicht um ethnische und kulturelle Reinheit, sondern erstens um die für jede Demokratie unverzichtbare relative Homogenität, zweitens um den Erhalt der kulturelle Unverwechselbarkeit in jedem Volk und drittens um ein generelles Nein zur Entwurzelung, egal wo sie stattfindet. Es geht darum, im eigenen Land als Staatsvolk das Sagen und die Mehrheit zu behalten.“ Ausländer sollen in diesem Weltbild folglich keine Menschen von geringerem Wert sein. Sie sollen nur nicht nach Deutschland kommen.

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