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„NSU“ : Weiterer mutmaßlicher Terrorhelfer festgenommen

Spezialkräfte der GSG 9 führen den 32 Jahre alte Andre E. zu einem Haftprüfungstermin beim Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe (Archivbild 24. November 2011) Auch E. wird wie nun Carsten S. beschuldigt, die „NSU“ unterstützt zu haben Bild: dpa

Spezialkräfte der Polizei haben einen 31 Jahren alten Mann festgenommen, der die Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ unterstützt haben soll. Er war in Thüringen zeitweise Funktionär der Jugendorganisation der NPD.

          Im Zusammenhang mit den Morden der rechtsextremistischen Organisation „Nationalsozialistischer Untergrund“ hat die Bundesanwaltschaft einen weiteren mutmaßlichen Helfer verhaften lassen. Nach Angaben der Strafverfolger wurde am Mittwochmorgen der 31 Jahre alte Carsten S. von Beamten der Spezialkräfte der Bundespolizei in seiner Wohnung in Düsseldorf festgesetzt.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Dem Mann, der in Thüringen zeitweise Funktionär der NPD-Jugendorganisation „JN“ war, wird vorgeworfen, bei sechs Morden Beihilfe geleistet zu haben. Die Vereinigung, die nach Auffassung des Generalbundesanwalts von den am 4. November ums Leben gekommenen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos gemeinsam mit der Inhaftierten Beat Zschäpe gegründet wurde, soll aus einer fremden- und staatsfeindlichen Gesinnung heraus vor allem Mitbürger ausländischer Herkunft getötet haben und mehrere Sprengstoffanschläge begangen haben.

          Uwe Mundlos (l.) und Uwe Böhnhardt (M.) aufgenommen im Herbst 1996 in Erfurt im Umfeld eines Prozesses gegen den Holocaust-Leugner Manfred Röder

          Der verhaftete Carsten S. war seit mehreren Wochen im Visier der Ermittler. Ende der neunziger Jahre war er, wie die meisten übrigen Beschuldigten in dem Fall, im „Thüringer Heimatschutz“ aktiv, einer rechtsextremen Schlägertruppe. Bis 2003 unterhielt er nach Informationen der Bundesanwaltschaft Kontakte in rechtsradikale Kreise. Nach seinem Wegzug, zunächst in die Nähe von Köln, dann nach Düsseldorf, soll er keine Verbindungen zu den Neonazi-Terroristen mehr gehabt haben. Nach unbestätigten Angaben arbeitete Carsten S. im Sozialbereich.

          Mit den Terrorverdächtigen Böhnhardt, Mundlos und Beate Zschäpe soll Carsten S. früher in engem Kontakt gestanden und sie auch finanziell unterstützt haben. Nach Erkenntnissen von Polizei und Verfassungsschutz soll Carstens S. zeitweise sogar der einzige Verbindungsmann zwischen der Terrorgruppe und der rechtsextremen Szene gewesen sein.

          In dieser Funktion soll er gemeinsam mit dem bereits seit Ende November 2011 inhaftierten ehemaligen NPD-Funktionär Ralf Wohlleben dem Trio eine Schusswaffe und die dazugehörige Munition besorgt haben. Die Ermittler glauben beweisen zu können, dass Carsten S. die Waffe in Jena gekauft und anschließend an Wohlleben weiter gegeben hat.

          Wohlleben wiederum habe dann einen Kurier – gegen den ebenfalls ermittelt wird – mit der Weitergabe an die Mitglieder des NSU beauftragt. Dabei soll er „billigend in Kauf genommen haben“, dass die Schusswaffe für rechtsextremistische Morde verwendet werden könnte. Allerdings haben die Ermittler bislang keinen Beleg dafür, dass die betreffende Waffe tatsächlich bei einem der Verbrechen benutzt wurde. Neben der Hauptverdächtigen Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben sind derzeit drei weitere mutmaßliche Helfer des NSU inhaftiert.

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