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NSU-Mordserie : Bundespräsident trifft Hinterbliebene

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Bundespräsident Joachim Gauck im Schloss Bellevue mit Ismail Yozgat, dem Vater des in Kassel ermordeten Halit Yozgat. Dieser fordert, die Holländische Straße, in der sein Sohn aufwuchs, arbeitete und ermordet wurde, in Halit-Yozgat-Straße umzubennen Bild: dpa

Bundespräsident Gauck hat den Familien der NSU-Opfer eine konsequente Aufklärung der Mordserie zugesagt. Er werde genau verfolgen, ob staatliche Stellen ausreichend aufklären.

          Bundespräsident Joachim Gauck hat Angehörige der Opfer des Terrors des rechtsextremen „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) in seinem Amtssitz empfangen. Die Neonazis des NSU hatten zehn Morde an Einwanderern und einer Polizistin begangen, zwei Bombenanschläge in Köln und eine ganze Serie von bewaffneten Raubüberfällen verübt. Die Gruppe lebte jahrelang unentdeckt im Untergrund. Gauck sagte seinen Gästen zu, er werde weiterhin ein persönliches Augenmerk auf die Aufklärungsarbeit richten. „Ich werde genau verfolgen, ob staatliche Stellen ausreichend aufklären und Fehler Fehler nennen“, sagte der Bundespräsident. „Für viele unter Ihnen ist es sicher nicht leicht gewesen, hierher zu kommen,“ sagte Gauck.

          „Unser Zusammensein... weckt Erinnerungen an den Schmerz und die Angst, die Sie nach den Attentaten durchlebt haben, und an all das, was Sie seither durchstehen mussten. Sie alle haben erlebt, wie sich von einem Tag auf den anderen das ganze Leben verändert. Sie hätten Trost und Unterstützung gebraucht. Stattdessen sind Sie verdächtigt, gedemütigt und allein gelassen worden.“ Das Treffen selbst, an dem siebzig Gäste teilnahmen, fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Gaucks Vorgänger im Amt, Bundespräsident Christian Wulff hatte im November 2011 zum ersten Mal NSU-Opfer zu sich ins Schloss Bellevue eingeladen und damit ein Zeichen gesetzt, das angesichts der anfänglichen Sprachlosigkeit der Berliner Politik im Angesicht der Verbrechen als wohltuend empfunden worden war.

          Der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses, Sebastian Edathy (SPD), regte unterdessen an, einen Beauftragten für Opfer rechtsextremer Gewalttaten einzusetzen. In München beginnt demnächst der Prozess gegen die mutmaßliche Terroristin Beate Zschäpe. Sie soll als Mitglied des NSU an den Verbrechen beteiligt gewesen sein.

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