https://www.faz.net/-gpg-83gz5

Rechtsextremismus : Fünfzehn Neonazis nach Überfall auf Kirmesfeier angeklagt

  • Aktualisiert am

Der Tatort nach dem Angriff auf die Kirmesgesellschaft am 11.02.2014. Bild: dpa

Vor mehr als einem Jahr stürmten 15 mutmaßliche Neonazis eine Kirmesgesellschaft und attackierten die anwesenden Gäste brutal. Die Staatsanwaltschaft hat nach Abschluss der Ermittlungen jetzt Anklage erhoben.

          1 Min.

          Mehr als ein Jahr nach einem rechtsextremen Überfall auf eine Kirmesgesellschaft im thüringischen Ballstädt im Kreis Gotha ist gegen 15 Tatverdächtige Anklage erhoben worden. Den 14 Männern im Alter von 20 bis 39 Jahren sowie einer 32 Jahre alten Frau werde gefährliche Körperverletzung vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft in Erfurt am Montag mit. Anfang Februar 2014 hatten Rechtsextreme eine Feier des Kirmesvereins im Ballstädter Dorfgemeinschaftshaus gestürmt und dabei elf Menschen verletzt. Die Täter wollten nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine eingeworfene Fensterscheibe in einem von ihnen bewohnten Haus vergelten. Sie vermuteten den Steinewerfer auf der Feier.

          Den Schilderungen der Staatsanwaltschaft nach soll zunächst ein 39 Jahre alter Mann vermummt und alleine den Saal betreten und dann drei Opfer mit wuchtigen Faustschlägen gegen den Kopf zu Boden geschlagen haben. Dabei soll er Protektorhandschuhe getragen haben. Danach sollen 13 weitere vermummte und mit Quarzsandhandschuhen ausgestattete Angreifer auf die Gäste eingeschlagen und eingetreten haben. Die Frau und ein Mann sollen währenddessen Schmiere gestanden haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft konnte einer der Angreifer bislang noch nicht ermittelt werden.

          Feste Größen aus der Neonaziszene

          Nach Ansicht der Linkspartei-Landtagsabgeordneten Katharina König zeigt der Angriff von Ballstädt exemplarisch, welche Bedrohung von organisierten Neonazis ausgehe. Die mutmaßlichen Rädelsführer seien schon seit Jahren feste Größen in der Thüringer Neonaziszene. „Das waren keine betrunkenen Skinheads bei einer spontanen Wirtshausschlägerei, sondern ideologisierte Nazischläger, die planvoll und gezielt vermeintliche und tatsächliche Gegner physisch ausschalten wollten.“ Es bleibe zu hoffen, dass seitens des Gerichts den neonazistischen Motiven die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt werde.

          Acht der Angeklagten sind laut Staatsanwaltschaft vorbestraft. Vier von ihnen seien bereits einschlägig wegen Gewaltdelikten verurteilt, hieß es. Gefährliche Körperverletzung wird mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft.

          Weitere Themen

          Bundeskanzlerin Merkel zu Gast bei Erdogan Video-Seite öffnen

          Flüchtlingsabkommen : Bundeskanzlerin Merkel zu Gast bei Erdogan

          Um das Flüchtlingsabkommen fortzusetzen, reist Bundeskanzlerin Merkel in die Türkei. Bei dem Treffen soll es jedoch nicht nur um das milliardenschwere Abkommen, sondern auch um Menschenrechtsfragen gehen.

          Union nur noch knapp vor den Grünen

          Neue Wahlumfrage : Union nur noch knapp vor den Grünen

          Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre, kämen Union und Grüne dem „Deutschlandtrend“ nach zusammen auf 50 Prozent. Die große Koalition hätte mit 40 Prozent hingegen keine Mehrheit mehr.

          Topmeldungen

          Johnson vs. Trump : Die Ironie des Brexits

          Eigentlich sollten die britisch-amerikanischen Beziehungen nach dem Brexit enger werden. Doch Boris Johnson legt sich gleich an drei Fronten mit dem amerikanischen Präsidenten Trump an – und bleibt auf Linie mit Berlin und Paris.

          Über Krebs sprechen : Mama, stirbst du jetzt?

          Eltern, die schwer krank werden, wollen das oft ihren Kindern verheimlichen, um sie nicht zu belasten. Doch schont das die Kinder wirklich?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.