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Neonazi-Mordserie : Spurensuche auf dem Campingplatz

Urlaub vom Terror: Böhnhardt und Mundlos (rechts) an der Ostsee Bild: BKA

400 Beamte arbeiten derzeit daran, 2500 Fundstücke aus dem Leben des rechtsextremen Trios Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe auszuwerten. Wer waren ihre Helfer?

          3 Min.

          Den Urlaubsfreunden von der Ostsee muss das Blut in den Adern gefroren sein, als sie dieser Tage abermals die Foto-DVD ansahen, die sie nach dem gemeinsamen Aufenthalt mit Uwe und Uwe auf dem Campingplatz bekommen hatten. Denn der Ferien-DVD war dieselbe Paulchen-Panther-Musik unterlegt, mit der Uwe (Böhnhardt) und Uwe (Mundlos) ihre perfides Sebstbezichtigungs-Video verschnitten hatten. Natürlich wussten die Urlaubsbekannten nichts von den Morden, Anschlägen und Überfällen. Überhaupt scheinen es unbeschwerte Ferien gewesen zu sein.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Eines der Fotos, die 2007 auf einem Campingplatz vermutlich auf Fehmarn entstanden sind, zeigt die sonnenverwöhnten Böhnhardt und Mundlos vor einem Wohnmobil. Der eine balanciert ein Cigarrillo zwischen den Lippen. Der damals 33 Jahre alte Mundlos mit braungebranntem Kahlkopf hat sich ein neckisches Kinnbärtchen wachsen lassen. Das Foto zeigt zwei Urlauber. Und es zeigt ein Duo, das wenige Wochen zuvor, Ende April 2007, in Heilbronn seinen zehnten Mord begangen hat.

          Bundesanwaltschaft schweigt

          So sehen die Mosaiksteinchen aus, die die Strafverfolger jetzt Stück für Stück zusammensetzen, um aufzuklären, was die drei Hauptverdächtigen zwischen Januar 1998 und dem November 2011 getan haben. Es wird Monate dauern, ehe alle Asservaten begutachtet, alle Datenträger rekonstruiert und ausgewertet, alle Zeugen befragt worden sind. Unter Federführung des BKA arbeiten derzeit 400 Beamte, weitere hundert hatte BKA-Präsident Ziercke als Verstärkung angefordert. Bislang wurden in Verstecken, bei Hausdurchsuchungen und in dem Eisenacher Wohnmobil 2500 Gegenstände sichergestellt. Alleine 500 stammen aus dem teilweise ausgebrannten Sunlight- Wohnmobil, darunter die wie Trophäen gehüteten Dienstpistolen der ermordeten Heilbronner Polizistin und ihres schwer verwundeten Kollegen.

          Beschlagnahmte Waffen: Insgeamt 2500 Gegenstände sichergestellt

          Die wichtigste Auskunftsperson ist Beate Zschäpe, die in Untersuchungshaft sitzt. Die Bundesanwaltschaft schweigt sich darüber aus, ob sie zu Aussagen bereit ist. Es muss Hunderte Personen geben, mit denen das Trio in den vergangenen 14 Jahren Kontakt gehabt hat, auf Park- oder Campingplätzen, bei Autovermietern, auf Bahnreisen, eventuell bei beruflichen Tätigkeiten. Bisher sind 250 Hinweise eingegangen. Nicht genug für eine umfassende Aufklärung, die Ziercke und Generalbundesanwalt Range versprochen haben. Wo ist das Duo oder Trio aufgefallen? Wo haben sie Autos oder weitere Wohnungen gemietet? Bei welchen Gelegenheiten wurden die etwa 600.000 Euro ausgegeben, welche die rechtsextremen Terroristen bei 14 Banküberfällen erbeutet haben? Auch an die rechtsextreme Szene appelliert der Generalbundesanwalt, zur Aufklärung beizutragen, womöglich auch anonym über Rechtsanwälte oder Geistliche.

          Minutiöse Planung

          Immer klarer wird den Ermittlern, dass minutiöse Planung und ein helfendes Umfeld den lange verborgenen Terror ermöglicht hat. „Es wurde nichts dem Zufall überlassen“, sagte Ziercke und verwies auf Tatortskizzen, Straßenkarten und schriftlich niedergelegte Erwägungen zur Auswahl der Opfer. Auch der griechische Schlüsseldienstinhaber Theodoros B. sei vermutlich gezielt und nicht etwa wegen Verwechselung mit einem Türken erschossen worden. Das gleiche wird im Fall der aus Thüringen stammenden Michèle K. angenommen.

          Ziercke will die Frage beantworten, was die Nähe zwischen dem heimischen Umfeld der jungen Polizistin und dem Neonazi-Treffpunkt in einem Wirtshaus in Oberweißbach zu bedeuten hat. Der in dieser Woche verhaftete ehemalige NPD-Funktionär und mutmaßliche Trio-Helfer Ralf Wohlleben gehörte schon 1998 zum Freundeskreis der drei Hauptverdächtigen. Der Mann von Wohllebens Schwester, so Ziercke, hatte die Kneipe seinerzeit gemietet. Es gebe weitere Hinweise, „über die jetzt nicht geredet werden kann“.

          Insgesamt 56 Mal wurden Fahrzeuge gemietet, fast immer Wohnmobile. Davon 53 mit Ausweisen von drei Personen, von denen zwei inhaftiert sind. Das alleine dürfte wenigstens 60.000 Euro gekostet haben. Schleppend kommt die Auswertung von Telefonen und Computern voran. Inzwischen habe man 54 Provider angeschrieben. Von 18 habe man sehr unterschiedliche Auskünften bekommen, mal reichten die Daten eine Woche zurück, mal zehn Tage, mal zwei Monate. Auch Abrechnungsdaten haben man erhalten, auf denen fehlen aber bei den Nummern der Angerufenen jeweils die letzten drei Ziffern. „Und in neun Fällen haben wir überhaupt keine Auskünfte bekommen“, so Ziercke, der seit anderthalb Jahren vergeblich für eine modifizierte Regelung zur Vorratsdatenspeicherung wirbt.

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