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Havelland : Flüchtlingsunterkunft in Nauen niedergebrannt

  • Aktualisiert am

Feuerwehrleute löschen die Reste der Sporthalle im brandenburgischen Nauen. Bild: dpa

Im brandenburgischen Nauen ist eine Sporthalle, die Flüchtlinge aufnehmen sollte, komplett abgebrannt. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Bürgermeister und Landesregierung sind tief betroffen.

          Die Spuren des Feuers sind verheerend. Rußgeschwärzte Betonpfeiler ragen aus der Halle. Die großen Fensterscheiben sind durch Hitze geborsten, in das Dach haben die Flammen Löcher gerissen. In wenigen Tagen sollten in dem Gebäude im brandeburgischen Nauen etwa 100 Asylbewerber vorübergehend unterkommen.

          Innerhalb weniger Minuten stand die erst 2007 für etwa vier Millionen Euro gebaute Turnhalle des Oberstufenzentrum mit beruflichem Gymnasium lichterloh in Flammen. Die Polizei geht nach den bisherigen Erkenntnissen von Brandstiftung aus. Ein technischer Defekt sei höchst unwahrscheinlich, hieß es.  „Wir konnten alles nur kontrolliert abbrennen lassen“, sagt der Einsatzleiter der Feuerwehr, Jörg Meyer. Den 61 Feuerwehrleuten war nicht anderes übrig geblieben.

          Wiederholt rechtsextreme Vorfälle

          Der Bürgermeister der Kleinstadt im Havelland, Detlef Fleischmann (SPD), hat sich tief betroffen vom Brand in der geplanten Notunterkunft gezeigt. „Wenn es Brandstifter sind, sind es für mich Verbrecher“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Es wäre blauäugig zu behaupten, Nauen hätte kein Problem mit Rechtsextremismus“, betont Fleischmann. Im Februar hatten rechtsextreme Demonstranten eine Versammlung der Stadtverordneten zum Thema Flüchtlinge derart gestört, das die Sitzung abgebrochen werden musste. Immer wieder gebe es auch rechtsextremistische Hetze in den sozialen Netzwerken. Zuletzt waren zwei Täter nach mehreren Anschlägen auf Parteibüros der Linken und der SPD gefasst worden.

          Auch Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) ist sichtlich betroffen über die Geschehnisse. „Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren“, betont er. „Wir sind Gottlob noch ein ganzes Stück von den sächsischen Verhältnissen entfernt“, meint er jedoch. Sollte es sich um Brandstiftung handeln, wäre es der schwerste fremdenfeindliche Übergriff seit Jahren in Brandenburg.

          In der Stadt gebe es aber auch Widerstand gegen Rechtsextremisten, betonte Bürgermeister Fleischmann. Erst in der vergangenen Woche hätten sich mehrere Verbände zusammengeschlossen, um gegen Fremdenfeindlichkeit vorzugehen.

          Von der Tat will sich der Landkreis nicht einschüchtern lassen. „Wir werden unserer Aufnahmeverpflichtung nachkommen“, sichert der stellvertretende Landrat, Roger Lewandowski, zu. Für die angekündigten 100 Menschen aus Syrien, Afghanistan oder der Russischen Föderation werden jetzt neue Unterkünfte gesucht. „Es wird aber schwer fallen“, gesteht er ein.

          Der Landkreis hatte im Juli angekündigt, die nun abgebrannte Sporthalle von September bis Jahresende zu nutzen. Mit Inbetriebnahme neu errichteter Container-Unterkünfte in Schönwalde und Dallgow-Döberitz sollte die Sporthalle dann wieder ihrem eigentlich Zweck dienen.

          Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) forderte die Brandenburger zu einem Aufstand der Anständigen auf. „Setzen Sie Zeichen der Mitmenschlichkeit. Distanzieren Sie sich vom fremdenfeindlichen Mob“, sagte der Regierungschef in Potsdam. „Ob Ausländerhetze und tätliche Angriffe auf Menschen in Not in Heidenau oder die Verhinderung des Einzugs von Flüchtlingen in Nauen per Brandstiftung, derartige Aktionen sind beschämend und Deutschlands unwürdig.“ Am Abend wollten sich Bürger in Nauen zu einer Mahnwache zusammenfinden.

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