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Anschlag auf Neonazi-Gegner : Ermittler finden Brandbeschleuniger

  • Aktualisiert am

Ein Feuerwehrmann am Donnerstag in der niedergebrannten Scheune Bild: dpa

Die Staatsanwaltschaft hat bestätigt, dass das Feuer in einer Scheune in Mecklenburg-Vorpommern vorsätzlich gelegt worden war. Ermittelt werde gegen „Unbekannt“.

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          In den Resten der niedergebrannten Scheune eines als Neonazi-Gegner bekannten Künstlerpaares in Mecklenburg-Vorpommern haben Ermittler Spuren von Brandbeschleuniger gefunden. Damit stehe fest, dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Schwerin am Freitag. Wer dafür verantwortlich zu machen ist, sei noch unklar. „Wir ermitteln immer noch gegen Unbekannt.“

          Birgit und Horst Lohmeyer engagieren sich in dem von Rechtsextremisten dominierten Dorf Jamel bei Wismar seit Jahren gegen Fremdenhass und für Toleranz. In der Nacht zum Donnerstag war die Scheune ihres Hofes in Flammen aufgegangen, die Eheleute vermuten Rechtsextreme hinter der Tat.

          In Jamel hat sich eine größere Gruppe Neonazis angesiedelt. Die Lohmeyers wurden in den vergangenen Jahren wiederholt von ihnen schikaniert. Urbanek zufolge wurden alle Nachbarn inzwischen zur Brandnacht befragt. Zum Inhalt ihrer Aussagen wollte er sich nicht äußern. Sie würden jetzt ausgewertet.

          Das Internationale Auschwitz Komitee forderte, der Generalbundesanwalt möge die Ermittlungen an sich ziehen. „Was in Jamel geschieht, hat für Deutschland und für die Strategie der Rechtsextremen exemplarische Bedeutung“, sagte der Exekutiv-Vizepräsident des Komitees, Christoph Heubner. In Jamel sei von Nazis durch Hass und Terror ein rechtsfreier Raum geschaffen worden, der in der rechtsextremen Szene in Deutschland und Europa als leuchtendes Beispiel bejubelt werde.

          Die brennende Scheune auf dem Anwesen der Lohmeyers Mitte August.

          Trotz des Brandanschlags auf seine Scheune wollen die Lohmeyers in Jamel bleiben und sich dort weiter gegen Rechtsradikale engagieren. „Wegzugehen ist im Moment für uns keine Option“, sagte Birgit Lohmeyer dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

          „Wir sind hier genau am richtigen Platz und Stachel im Fleisch der Neonazis“, sagte Lohmeyer. Mit Blick auf die islamfeindliche Pegida-Bewegung und die große Zahl von Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte fügte sie hinzu: „Es muss noch viel mehr Leute geben wie uns. Jetzt aufzugeben und wegzuziehen wäre ein völlig falsches Signal. Das werden wir auf keinen Fall tun.“

          Lohmeyer sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, in der Scheune seien „keine großen Wertgegenstände“ gewesen, allerdings „viele Utensilien“ für Festival, das für den 28. und 29. August geplant ist. Die Veranstaltung werde trotzdem stattfinden, auch wenn jetzt noch viele Dinge dafür ausgeliehen werden müssten. „Doch wir haben heute schon so viele Unterstützungsanrufe und Mails bekommen, dass wir ganz zuversichtlich sind, dass das Festival wie gewohnt stattfinden kann - rund um die abgebrannte Scheune.“

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