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Erfurter Verfassungsschutz : Terrorheimstatt Thüringen

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Uwe Mundlos (links) und Uwe Bönhardt (Mitte), aufgenommen im Herbst 1996 in Erfurt im Umfeld eines Prozesses gegen den Holocaust-Leugner Manfred Roeder Bild: dapd

Wer glaubt dem Erfurter Verfassungsschutz noch? In den neunziger Jahren trugen sich unglaubliche Dinge zu. Damals warb der Verfassungsschutz auch Neonazis als Quellen an.

          Auf Gerhard Schäfer lastet eine große Erwartung. Denn der frühere Richter am Bundesgerichtshof soll Licht in das Dunkel des offenkundigen Versagens von Sicherheitsbehörden bringen, das Ende der neunziger Jahre in Thüringen mit dem Abtauchen eines rechtsextremistischen Trios begann und am Ende zu einer unglaublichen Serie an Morden und Banküberfällen führte. Die Blutspur zieht sich durch ganz Deutschland. Über beinahe 14 Jahre blieben die Täter allerorten unerkannt.

          Der Ursprung des rechtsextremen Terrors liegt im Ostdeutschland der neunziger Jahre. Es war eine Zeit des Aufbruchs, aber auch des Verlustes und der Suche nach Orientierung. Immer mehr Jugendliche ließen sich den Schädel rasieren, trugen Bomberjacken und Springerstiefel, suchten Halt in der eigenen, rechtsextremen Gruppe. Eine solche Clique bildeten auch der spätere Hilfsarbeiter Uwe Bönhardt, der naturwissenschaftlich begabte Professorensohn Uwe Mundlos und die Gärtnerin Beate Z. Zu den dreien hatte sich Holger G. gesellt, der am Sonntag bei Hannover verhaftet wurde. Zwei weitere Männer aus Jena sollen die Runde zum Sextett erweitert haben.

          Böhnhardt, ein Waffennarr, kam offenbar als erster mit dem Gesetz in Konflikt. Am 13. April 1996 hatte er an einer Autobahnbrücke bei Jena einen Puppentorso aufgehängt, den er mit Davidsternen versehen und mit zwei Bombenattrappen verbunden hatte. 1997 wurde er zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Weil er in Berufung gegangen sei, heißt es, wurde die Strafe nicht vollstreckt. Im Herbst 1997 wurde in Jena am Theaterplatz ein Koffer mit einer geringen Menge Sprengstoff, aber ohne Zündvorrichtung gefunden; im Dezember desselben Jahres tauchte auf dem Nordfriedhof eine weitere „USBV“, eine unbekannte Spreng- und Brandvorrichtung auf. Auch diese Funde wurden der Gruppe zugeschrieben.

          Längst wurde sie sowohl vom Landeskriminalamt als auch vom Thüringer Verfassungsschutz observiert. Das Augenmerk richtete sich vor allem auf Uwe Böhnhardt. Er, Uwe Mundlos und Beate Z. gehörten auch dem Thüringer Heimatschutz (THS) an. Das war ein Netz von 170 Rechtsextremisten aus verschiedenen lokalen Kameradschaften. Zunächst rund 50, später rund 100 THS-Anhänger sollen sich regelmäßig im „Goldenen Löwen“ in Schwarza getroffen haben, später in Gorndorf. An der Spitze des THS stand Tino Brandt, der vom Verfassungsschutz als V-Mann geführt wurde und dafür im Laufe mehrerer Jahre bis zu 200.000 Deutsche Mark eingenommen und zum Teil in den Ausbau rechtsextremistischer Aktivitäten gesteckt haben soll.

          Dass im Heimatschutz nur ein V-Mann gewesen sein sollte, hält die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Landtag in Erfurt, Martina Renner, heute für unwahrscheinlich. Sie vermutet, die Szene dürfte gut überwacht gewesen sein. Dagegen wendet der Verfassungsschutz ein, die Zelle sei zu klein gewesen, um in sie einzudringen, der THS sei nur ein loses Bündnis gewesen, über den kein Einblick in die Aktivität des Trios möglich gewesen sei.

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