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NSU : Dunkle Geheimnisse eines Nazis

Zu früh für Bewertungen

Für die Bundesanwaltschaft ist Enrico T. ein Zeuge im Zusammenhang mit der Beschaffung der Ceska-Waffe, mit der neun der zehn NSU-Morde verübt wurden. So soll Enrico T. ein „Mittelsmann“ auf dem Weg der Mordwaffe von der Schweiz nach Jena gewesen sein. Dazu wurde er auch im NSU-Verfahren als Zeuge vernommen, Angaben zur Waffenbeschaffung oder zu seinem Verhältnis zu Böhnhardt damals machte er jedoch nicht. Für die Bundesanwaltschaft gibt es auch im Fall Bernd B. „keine zureichenden Anhaltspunkte“ dafür, dass Böhnhardt an der Ermordung des Kindes beteiligt war.

Immer wieder hatten die Ermittler den Fundort durchforstet, um Spuren sicherzustellen.
Immer wieder hatten die Ermittler den Fundort durchforstet, um Spuren sicherzustellen. : Bild: AFP

Und auch im Fall von Peggy K. will sich die Bundesanwaltschaft, die zwar „eingebunden“ ist in die neuen Ermittlungen, mit Spekulationen zurückhalten. Es sei noch „viel zu früh“ für eine Bewertung, sagte ein Sprecher am Freitag und verwies auf die federführende Staatsanwaltschaft in Bayreuth. Nicht auszuschließen ist jedoch, dass im Zuge der weiteren Ermittlungen auch Beate Zschäpe als Zeugin von der Polizei vernommen wird. Ob sie allerdings Angaben machen würde, durch die sie sich selbst belasten könnte, gilt als zweifelhaft.

Zschäpe in Verbindung mit Kinderpornographie

Mit Kinderpornographie war Zschäpe auch früher schon in Verbindung gebracht worden. Bereits in den neunziger Jahren sollen Staatsanwälte laut Medienberichten gegen Zschäpe wegen des Verdachts ermittelt haben, kinderpornogaphisches Material besessen zu haben. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt, nachdem sie mit Mundlos und Böhnhardt in den Untergrund gegangen war. Auch im Dezember 2011 hatte die Staatsanwalt Zwickau ein Ermittlungsverfahren gegen Zschäpe wegen des Besitzes kinderpornographischer Schriften eröffnet. Auch dieses Verfahren wurde nur sechs Tage später wieder eingestellt – allerdings nicht aus Mangel an Beweisen, sondern weil die mutmaßliche Tat gegenüber den in München angeklagten Straftaten nicht ins Gewicht fällt. Die Staatsanwaltschaft sah durchaus einen hinreichenden Tatverdacht mit Blick auf den Besitz von Kinderpornographie durch Zschäpe.

Durch die aktuellen Ermittlungen im Fall Peggy könnten nun viele Beweise und Aussagen aus den NSU-Ermittlungen neu bewertet werden. Nach Medienberichten sollen Zschäpe und Böhnhardt bei der Anmietung von Wohnmobilen mehrfach von Kindern begleitet worden sein. Zudem wurden in dem Wohnmobil von Böhnhardt und Mundlos, mit dem sie zuletzt unterwegs waren, um eine Bank zu überfallen, Kinderspielsachen und Kinderkleidung gefunden.

V-Mann Tino Brandt

Im NSU-Untersuchungsausschuss des Stuttgarter Landtags war sogar der Verdacht zu hören, der NSU habe sich über die Produktion und den Verkauf von Kinderpornographie finanziert. Beweise gab es dafür nicht. Der einzige Anhaltspunkt für diesen Verdacht war, dass das Geld aus den Banküberfällen dem Trio nicht ausgereicht haben könne, den Lebensunterhalt zu bestreiten. „Insofern müssen wir uns die Frage stellen, ob sich die Rechtsterroristen womöglich mit der Zuhälterei von Kindern finanziert haben“, hatte CDU-Obmann Matthias Pröfrock gesagt. Solche Bezüge zwischen Pädophilie und Terrorismus sind nicht nur Spekulation.

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