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NSU : Dunkle Geheimnisse eines Nazis

Und sosehr Böhnhardt und Mundlos auch Risiken eingingen, indem sie am hellichten Tage zehn Menschen ermordeten, so versuchten sie auch, Risiken gering zu halten. Bislang wurden an keinem der Dutzenden Tatorte des NSU DNA-Spuren der beiden Männer gefunden. Ermittler führen das nicht zuletzt auf eine sehr vorsichtige Vorgehensweise der Terroristen und das Tragen von Handschuhen und Sturmhauben zurück. Sollte Böhnhardt also so unvorsichtig gewesen sein, eine Decke oder Teile davon an einem Ort zurückzulassen, wo er eine Leiche vergraben hat? Schwer vorstellbar, aber vielleicht auch, sollte sich der Tatverdacht überhaupt erhärten, einfach darauf zurückführen, dass der Mord an dem Kind nicht geplant und somit unter großem Stress und Zeitdruck geschah.

Treffer von der Tatortspur zu einer anderen Spur

Immer wieder hatten die Ermittler den Fundort durchforstet, um Spuren sicherzustellen. Zahlreiche Spuren und somit Spurenträger für DNA-Material wurden dabei sichergestellt. Insofern waren viele Institute in die Untersuchung eingebunden. Welche Institute genau, das wollte die Staatsanwaltschaft am Freitag nicht mitteilen. Das Institut für Rechtsmedizin der Ludwig Maximilians Universität in München war an der Spurenauswertung nicht beteiligt, dafür aber offenbar das Bayerische Landeskriminalamt. Dort sei das Stoffstück, auf dem Böhnhardts DNA gefunden wurde, untersucht worden, hieß es in Medienberichten.

Auf der Suche nach der Wahrheit: Polizeibeamte zwei Tage nach dem Fund von Peggys Leiche im Juli in der Nähe von Rodacherbrunn in Thüringen.

Gerade weil sich auch bei Minimalspuren noch DNA-Muster herausarbeiten lassen, besteht immer die Anfälligkeit für eventuelle „falsch-positive“ Ergebnisse. So wird in den Laboren oft im Zuge der Analyse das gefundene Muster auch mit den DNA-Mustern von Mitarbeitern verglichen, um eine Kontamination der Proben früh zu erkennen. Sobald ein vollständiges DNA-Profil einer einzelnen Person aus Haut, Haaren oder Körperflüssigkeiten nachgewiesen ist, kann dieses Profil zur Abfrage in die DNA-Analyse-Datei beim Bundeskriminalamt eingestellt werden. Dort werden Treffer angezeigt, die von einer Tatortspur zu einer anderen Spur aus einem anderen Fall weisen – oder es ergeben sich Treffer von einer Spur zu einer der Polizei schon bekannten Person.

Böhnhardts Verbindung zu Kindermorden

Im Fall Peggy K. wies eine Spur auf Uwe Böhnhardt. Und je unwahrscheinlicher eine Verunreinigung ist, umso mehr geraten Biographie und Milieu des Rechtsterroristen in den Fokus der Soko Peggy in Bayreuth, der inzwischen 30 Ermittler angehören. Schon im Jahr 1993, acht Jahre vor Peggys Verschwinden im Mai 2001, taucht Böhnhardts Name das erste Mal auf, als es um einen Kindermord ging, der bis heute nicht aufgeklärt wurde.

Am Ufer der Saale hatten im Juli 1993 spielende Kinder den Leichnam des vermissten neun Jahre alten Schülers Bernd B. aus Jena entdeckt. In der Nähe des Leichnams fand man einen Außenbordmotor eines kleinen Bootes. Das Boot gehörte Enrico T., einem Bekannten des damals sechzehn Jahre alten Uwe Böhnhardts. T. gab zu Protokoll, das Boot sei ihm gestohlen worden, er sei völlig unbeteiligt. Später verwies er die Beamten dann auf Uwe Böhnhardt: Dieser sei der Einzige, der gewusst habe, wo das Boot untergestellt gewesen sei. Auch Böhnhardt wurde damals nach Angaben der Staatsanwaltschaft Gera als Zeuge gehört. Doch ein Tatverdacht habe sich nicht erhärtet.

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