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Schulbank statt Kampfeinsatz : So will AKK beim KSK aufräumen

Trotz ohnehin angespannter Personallage beim KSK – die Sollstärke von 1700 Männern (bei wenigen Frauen) ist um mehrere hundert verfehlt –, werden die Bedingungen für die Übernahme von Führungsverantwortungen im Kommando deutlich verschärft. Kompaniechef kann nur noch werden, wer zuvor in anderen Truppenteilen eine solche Führungsaufgabe überzeugend wahrgenommen hat. Zudem wird der Führungsnachwuchs ein- bis zweijährige Lehrgänge bei Partnernationen absolvieren und verpflichtend Führungslehrgänge an der Führungsakademie der Bundeswehr belegen. All das gab es bislang nicht, ebenso wenig wie eine „Verwendungshöchstdauer“ des Personals in Schlüsselpositionen, etwa des Leiters des Kommandos Ausbildung. Hier könnten alsbald also berufliche Veränderungen und Versetzungen auf altgediente Mitarbeiter in Calw zukommen. Um zu vermindern, dass ganze Kompanien auf politisch-moralische Abwege geraten, sollen künftig Einsatzteams innerhalb des KSK rotieren. Das Kommando solle hierzu selbst ein Modell erarbeiten, heißt es in dem KSK-Bericht.

Auf die Kommandosoldaten, ihre Ausbilder und die Unterstützungskräfte kommen in den nächsten Monaten zudem umfangreiche Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen zu. Deren Ziel ist es, den allgemeinen Bildungsstand zu erhöhen, Führungskompetenz zu stärken, aber auch weitere Schwachstellen im Kommando zu identifizieren. Zur Begleitung der inneren Reform werden „Führungsfeldwebel“ ernannt, deren Aufgabe es sein soll, die „Verfestigung, Beobachtung, Begleitung, Überwachung und nachhaltige Umsetzung des im Leitbild und in den Leitsätzen des KSK festgeschriebenen Wertefundaments“ zu gewährleisten. Zu den Maßnahmen gehören zudem Individualcoaching, Pflichtlehrgänge für alle KSK-Einsteiger, „Teamteaching mit dem MAD“ in den Fächern Menschenführung, Persönlichkeitsausbildung, Mentale Stärke und Verfassungstreue. Ob sich daraus Hinweise auf die gegenwärtigen Defizite ergeben, ist dem Bericht nicht zu entnehmen. Dass sich daraus ebenso wie aus der Auflösung der 2. Kompanie Einschränkungen für die Einsatzbereitschaft des Kommandos ergeben, ist naheliegend.  Doch das Kommando ist sowieso in den nächsten Monaten mehr oder weniger außer Diensten. Die Übungstätigkeiten sowie internationale Kooperationen sind auf Weisung der Ministerin und des Generalinspekteurs „bis auf Weiteres eingestellt“.

Das gilt wohl zumindest bis Ende Oktober. Einsatzverpflichtungen sollten „soweit möglich, von anderen Einheiten übernommen“ werden. Dies bietet anderen Spezialisten der Bundeswehr, etwa vom Kommando Spezialkräfte der Marine, den Fernspähern oder Spezialkräften der Luftwaffe, eventuell Gelegenheit zur Profilierung. Für den Fall, dass sich die angezählten Kommandosoldaten nicht aktiv und aus sich heraus an dem Reformprozess beteiligen, droht das Aus für den Gesamtverband. So schreibt Tauber: „Sollten insbesondere die Selbstreinigungskräfte des KSK nicht hinreichend Wirkung zeigen, wird sich unausweichlich die Frage stellen, ob das KSK in seiner jetzigen Form am bisherigen Standort erhalten bleiben kann.“ Klar ist aus Sicht von Ministerium und Streitkräften aber auch: „Für eine Bündnisarmee wie die Bundeswehr sind Spezialkräfte ein unverzichtbares strategisches Instrument.“ Und weiter: „Wir brauchen diesen Verband. Und die Menschen, die dort dienen und arbeiten, haben unser Vertrauen verdient.“

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