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Schulbank statt Kampfeinsatz : So will AKK beim KSK aufräumen

Neben den strukturellen Veränderungen bilden die Verbesserung der Dienstaufsicht, das Erlangen von Kontrolle über Personalgewinnung und eine umfassende Reform der Laufbahnen innerhalb des Kommandos Schwerpunkte. Zudem sollen durch umfassende fachliche Begleitung, größere Transparenz sowie psychologische und seelsorgerische Angebote Angehörige des Kommandos besser gegen extremistische Tendenzen immunisiert werden. Schließlich ergreift das Ministerium Maßnahmen, um teils per Anordnung, teils per Gesetz rascher und durchgreifender auf Vorkommnisse und Verdachtsfälle im Kommando, aber auch darüber hinaus reagieren zu können.

Zu den strukturellen Maßnahmen gehört zuallererst die vollständige Auflösung der 2. Kompanie, ein in der jüngeren Bundeswehrgeschichte einmaliger Vorgang. Das Kommando verliert zudem seine Zuständigkeit für die eigene Stabs- und Führungsunterstützungskompanie. Sie wird der bereits erwähnten Division unterstellt. Die gesamte Ausbildung des KSK wird künftig dem Heer untergeordnet, die Autonomie des Verbandes in dieser Hinsicht beendet. Künftig ist die Ausbildung dem Ausbildungszentrum der Infanterie unterstellt. Dessen Mitarbeiter werden ebenso wie Offiziere vom Zentrum Innere Führung und anderen Externen die Ausbildung künftig viel enger begleiten. Das Ziel sei „höhere Visibilität der Ausbildung im und für das KSK“. Mehr Transparenz – und offenbar weniger politisch motivierte Entscheidungen – soll auch die Erweiterung der Personalauswahl bringen. Statt das, wie bisher, weitgehend einigen wenigen Personen im KSK zu überlassen, wird ein „Auswahlboard“ „zusätzliche Transparenz und Expertise“ in den Prozess bringen. Der Personalwerbetrupp des KSK, in dem wohl ebenfalls zweifelhafte politische Haltungen Geltung hatten, wird künftig ebenfalls der Division unterstellt. Zudem sollen Personalbeauftragte aus anderen Bundeswehreinheiten die Werber und das Werben „verstärken“.

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Berlin
Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Berlin : Bild: Reuters

Denn mittelfristig wird das Kommando eher mehr als weniger Soldaten benötigen. Das hat auch damit zu tun, dass Verweilzeiten beim Kommando verringert und anderweitige Verwendungen außerhalb des Kommandos zur Pflicht werden. Damit soll, so der KSK--Bericht des Verteidigungsministeriums „ein offensichtlich fehlgeleitetes Eliteverständnis sowie ein interner Personenkult“ verringert werden, der insbesondere die 2. Kompanie geprägt habe.

Ähnliche Tendenzen in anderen Kommandokompanien?

Die Breite und Tiefe der Maßnahmen lässt allerdings darauf schließen, dass auch die drei anderen Kommandokompanien nicht frei von solchen Tendenzen waren und sind. Deswegen wird künftig der Inspekteur des Heeres „Inspizienten“ entsenden, um die Ausbildung zu begutachten. Vorgesehen sind zudem mehrere weitere Gremien, die sich regelmäßig auch in Calw mit dem Kommando befassen sollen. Ein Beauftragter des Generalinspekteurs soll Erziehung und Ausbildung begleiten. Zudem werden mehrere zusätzliche Psychologen in Calw stationiert, um die Truppe zu begleiten. Auch die Militärseelsorge soll verstärkt werden. Recht unterbelichtet wirkt in dem Bericht das Kapitel „Transparenz“. Statt die Aufgaben und Leistungen des KSK etwas breiter darzustellen, beschränken sich die Vorschläge zu diesem Thema weitgehend darauf, eine hausinterne Ausstellung leichter zugänglich zu machen und Youtube-Filmchen über das KSK zu drehen, im Bundeswehr-Jargon „Bewegtbildprodukte in bundeswehreigener Produktion“. Immerhin wird zudem ein Konzept für eine transparentere Öffentlichkeitsarbeit in Aussicht gestellt. 

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