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Rechtsextreme Gewalt : Merkel besucht Gedenkort für NSU-Opfer in Zwickau

  • -Aktualisiert am

Gedenken: Merkel am Montag in Zwickau Bild: dpa

Im Oktober wurde in Zwickau eine Eiche abgesägt, die an das erste NSU-Opfer erinnern sollte. Nun hat die Stadt weitere Bäume gepflanzt. Auch die Bundeskanzlerin ist gekommen, um den Gedenkort zu besuchen.

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          Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Montag in Zwickau der zehn Opfer des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) gedacht. Bereits am Sonntag hatte die Stadt den zuvor erweiterten Gedenkort am Schwanenteich neu eingeweiht. Anfang Oktober hatten dort bisher unbekannte Täter eine Eiche abgesägt, die erst kurz zuvor im Gedenken an das erste Opfer des NSU, den Blumenhändler Enver Simsek, gepflanzt worden war. Simsek war im September 2000 in Nürnberg bei der Arbeit erschossen worden. Er war das erste von zehn Todesopfern des NSU, der in einer Mordserie acht Kleinunternehmer mit türkischem und einen mit griechischem Migrationshintergrund sowie eine Polizistin umbrachte.

          Erst elf Jahre später flogen die Täter Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt auf, als sie nach einem Banküberfall in Eisenach in einem Wohnmobil Suizid begingen. Gemeinsam mit der im vergangenen Jahr zu lebenslanger Haft verurteilten Beate Zschäpe hatte das aus Jena stammende Trio jahrelang für die Behörden unerkannt in Zwickau gelebt. Merkel legte am Baumstumpf der abgesägten Eiche eine weiße Rose nieder. „Wir haben Blumen niedergelegt, und damit möchte ich ausdrücken, für die ganze Bundesregierung auch, dass wir alles tun werden, das habe ich den Angehörigen auch versprochen vor vielen Jahren schon, damit sich solche Dinge nicht wiederholen“, sagte Merkel. Zugleich forderte sie aber auch die Bürger auf, sich gegen Rechtsextremismus einzusetzen.

          Merkel wurde von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und der Zwickauer Oberbürgermeistern Pia Findeiß (SPD) begleitet. Kretschmer forderte alle Bürger auf, entschieden gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus vorzugehen; das fange schon im Privaten an. Zugleich kündigte er an, genau zu verfolgen, auf welchen politischen Veranstaltungen die Störer der Gedenkveranstaltungen künftig aufträten. Etwa 20 Menschen hatten in einiger Entfernung lautstark gegen die Gedenkveranstaltung und gegen Merkel protestiert, darunter auch die rechtsradikale Gruppierung „Pro Chemnitz“.

          Angela Merkel und Michael Kretschmer stehen mit Schülern am NSU-Gedenkort.


          Neben der gekappten Eiche hatten Unbekannte im Oktober auch eine Bank an dem Gedenkort zerstört, was bundesweit eine Welle der Empörung aber auch der Solidarität ausgelöst hatte. Bereits unmittelbar nach der Tat waren mehrere hundert Zwickauer, darunter auch viele Schüler, mit Blumen und Transparenten in den Park gekommen, um gegen die Schändung des Denkmals zu protestieren und der Opfer zu gedenken. Zudem sammelte die Stadt 14 000 Euro Spenden und ließ damit zehn neue Bäume pflanzen – für jedes Opfer einen – sowie Gedenktafeln anbringen. „Wir zeigen, dass der NSU ein Teil der Zwickauer Geschichte ist“, hatte Findeiß bereits am Sonntag bei der Einweihung vor rund 450 Gästen gesagt. Die Bäume und die Tafeln mit den Namen der Opfer seien zugleich ein Zeichen der Hoffnung sowie eine Mahnung, sich für Demokratie und Toleranz einzusetzen.

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