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Rechtsextremismus : „Berti, der alte Nazi“

Bertram Köhler ist 56 Jahre alt. Er lebt im hessischen Kirtorf. Für unser Bild zeigt er seine Spielzeugmaschinenpistole. Auf seinem Hof lagert er Hunderte alte NPD-Plakate. Bild: F.A.Z.-Woche

Bertram Köhlers Hof war einmal Treffpunkt für Rechtsextreme aus ganz Deutschland, auf seinen Wiesen feierten jahrelang Skinheads. Zu Besuch bei einem Mann, der sich Nationalsozialist nennt.

          6 Min.

          Bertram Köhler hat in seinem Heimatort viele Spitznamen. Einer lautet: „Nazi-Bauer“. Ein anderer: „Berti, der alte Nazi“. Köhler stört das nicht. Er nennt sich bisweilen sogar selbst so. Gerade erst hat er wieder einmal über die Dorfgrenzen von Kirtorf heraus für Aufregung gesorgt. Er war auf sein Feld gefahren und hatte Mist verteilt. Hinterher hieß es überall, die Mistspuren hätten ausgesehen wie ein Hakenkreuz. „Stimmt nicht“, sagt Köhler. Der Mist sah aus wie eine Wolfsangel. Das Zeichen trugen Adjutanten der Hitlerjugend. Es steht für Wehrhaftigkeit. „War keine Absicht“, sagt Köhler. Aber nicht einmal seine eigene Schwester glaube ihm das.

          Philip Eppelsheim

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Denn es ist ja nicht das erste Mal, dass Köhler Schlagzeilen macht. Auf seinem Hof und auf seinen Wiesen feierten jahrelang Skinheads. Sie machten das Dorf zu „Hessens brauner Mitte“. Schluss war erst, als Aufnahmen einer Feier öffentlich wurden. Das war 2004. Mehr als 200 Neonazis sangen damals in Köhlers Stall Hass-Lieder. Anschließend stellte die Polizei Köhlers Hof auf den Kopf, und die Feiern wurden verboten. Um Köhler wurde es ruhig und um Kirtorf auch. Jetzt aber wird auf einmal wieder an die braune Vergangenheit des Ortes erinnert. Denn im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen rechtsextreme Polizisten führen Spuren in das Dorf. Und genau in diesem Moment ist auch Köhler wieder da. Er lebt noch immer auf dem alten Fachwerkhof. Manche Balken stammen aus dem Jahr 1722. Köhlers Familie aber lebte schon früher hier im Ort.

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