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Sachsen : Polizei dementiert Jagd auf Flüchtlinge durch Bautzen

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Im September sicherte die Polizei den Kornmarkt in Bautzen noch mit zusätzlichen Beamten. Jetzt wurden dort abermals Flüchtlinge angegriffen. Bild: dpa

Im September ist die sächsische Stadt wegen Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen und Rechtsextremen in die Schlagzeilen geraten. Jetzt wurden in Bautzen abermals Flüchtlinge bedroht.

          Im sächsischen Bautzen haben Rechtsextreme abermals mehrere Flüchtlinge angegriffen. Wie die zuständige Polizeidirektion Görlitz am Mittwoch mitteilte, seien am Dienstagabend auf dem Kornmarkt zwei deutsche Frauen und drei junge Asylbewerber von acht Männern bedroht worden. Zudem sollen zwei Flüchtlinge durch die Stadt gejagt worden sein. In Bautzen war es erst im September zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Flüchtlingen und Rechtsextremen gekommen.

          Am Dienstagabend sollen zwei der Angreifer mit „pistolenähnlichen Gegenständen in Richtung Asylbewerber gezielt und sich anschließend vom Ort des Geschehens entfernt haben“, sagte die Polizei. Laut Zeugenaussagen seien diese Männer dem rechten Spektrum zuzuordnen.

          Umfangreiche Fahndung in der Bautzener Innenstadt

          Die Polizei startete nach eigenen Angaben eine umfangreiche Fahndung und stellte zahlreiche Personalien fest. Konkrete Tatverdächtige seien allerdings nicht ermittelt worden. Die Ermittlungen dauern demnach an. Wie die Polizei weiter berichtete, griff Zeugen zufolge andernorts ein betrunkener 20 Jahre alter Libyer einen 19 Jahre alten Deutschen an. Der Asylbewerber sei polizeilich bekannt und festgenommen worden. Er sei in Begleitung zweier weiterer Asylbewerber gewesen.

          Diese wurden den Angaben zufolge anschließend aus einer Gruppe von zehn bis 15 Menschen heraus angegriffen und unter anderem mit Steinen beworfen. Die Polizei konnte die Gruppe demnach auflösen und vier verdächtige Deutsche im Alter von 19 bis 28 Jahren identifizieren. Einer der Asylbewerber sei am Bein getroffen worden, eine medizinische Behandlung sei nicht nötig gewesen. Später in der Nacht gab zudem ein 39 Jahre alter Asylbewerber an, mit einem pistolenähnlichen Gegenstand bedroht worden zu sein. Beamte stellten kurz darauf einen tatverdächtigen Deutschen mit einer Schreckschusswaffe. Der 29 Jahre alte Mann hatte zudem Drogen bei sich.

          In einem Bericht von „Zeit online“ am Mittwoch heißt es dagegen, etwa 40 bis 50 Rechtsextreme hätten am Dienstag in der Bautzener Innenstadt zwei Flüchtlinge vor sich her gejagt. Die Polizei sei präsent gewesen, jedoch in der Unterzahl. Die Beamten hätten zunächst nicht eingegriffen, bis die Neonazis anfingen, die Flüchtlinge zu jagen, heißt es im Bericht. Ein „Zeit“-Reporter wurde den Angaben zufolge zufällig Zeuge des Vorfalls.

          Polizei weist Berichte über „Hetzjagd“ zurück

          Die Polizei war nach eigenen Angaben bis in die Nacht hinein verstärkt im Einsatz. Sie betonte, dass „eine Hetzjagd, wie Medien bereits berichteten, nach bisherigen polizeilichen Erkenntnissen nicht stattgefunden“ habe. Wie die Polizei mitteilte, werde nach den Vorfällen am Dienstag wegen Bedrohung und Körperverletzung ermittelt. Ob es Zusammenhänge zwischen beiden Vorfällen gibt, werde noch ermittelt. Hinweise zu einer politischen Motivation der Taten gebe es bislang nicht, erklärte die Polizei weiter.

          Bautzen war bereits im September wegen gewalttätiger Zusammenstöße zwischen jungen Flüchtlingen und Rechtsextremen bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Damals hatten rechte Jugendliche gleichaltrige Flüchtlinge durch Straßen gejagt. Vorausgegangen waren wechselseitige Provokationen der beiden Gruppen. Bautzen verhängte daraufhin eine abendliche Ausgangssperre für die minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge. Zudem verstärkte die Polizei ihre Präsenz.

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