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Rechter Blogger vor Gericht : „Liebe Sawsan, Sie sind für mich eine islamische Sprechpuppe“

Sawsan Chebli, Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales in der Berliner Senatskanzlei Bild: dpa

Ein rechter Blogger verhöhnt die Politikerin Sawsan Chebli. Dann steht er vor Gericht. Mit dabei: seine Fans. Die denken nicht daran, nur zuzuschauen.

          5 Min.

          Der Angeklagte ist ein bekannter Mann im Internet. Er hat 260.000 Fans auf Facebook und ist dort also beliebter als die Volksparteien SPD und CDU. Nun könnte man sagen: Internet ist Internet, die echte Welt sieht anders aus. Doch beides gehört zusammen. Der Angeklagte hat seine Fans aufgerufen, zur Hauptverhandlung zu kommen, und jetzt sind sie da – eine zum Leben erweckte Kommentarspalte.

          Friederike Haupt
          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Etwa hundert Männer und Frauen brüllen in der Eingangshalle des ehrwürdigen Amtsgerichts Berlin Tiergarten, dass die Wände donnern: „Wir! Wollen! Rein!“ Viele haben sich mit Deutschlandfarben geschmückt, so, wie sie sonst ihre Facebook-Kommentare mit dem Emoji der Nationalflagge verzieren. Eine Frau trägt einen bodenlangen Strickmantel in Schwarzrotgold, eine andere nationale Haargummis im Flechtzopf. Männer haben zackige Tätowierungen, Glatzen, andere Normalogesichter. Einer in Lederjacke will seine AfD-Mitgliedskarte als Presseausweis geltend machen, einige haben sich Phantasie-Presseausweise selbst gebastelt. Eine Blonde, die für eine rechte Plattform arbeitet, filmt sich mit dem Handy dabei, wie sie einen Grauhaarigen interviewt, der sagt: „Ich glaube, das Urteil steht schon fest.“ Während alle noch warten, dass sie in den Saal dürfen, Journalisten, Anwälte, der Angeklagte selbst, stimmen die Männer und Frauen in der Eingangshalle die deutsche Nationalhymne an.

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