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Reaktionen auf Henkel-Rückzug : AfD-Chef Lucke: „Ich bedaure Henkels Entscheidung“

„Henkel hat mich sehr oft unterstützt“: Bernd Lucke Bild: dpa

Der Rücktritt des AfD-Vorstandes Hans-Olaf Henkel löst in der Partei unterschiedliche Reaktionen aus: AfD-Chef Lucke bedauert Henkels Rücktritt, sieht seine eigene Stellung aber nicht geschwächt. AfD-Mitgründer Konrad Adam hält Henkel dagegen für verzichtbar.

          Der AfD-Vorsitzende Bernd Lucke hat mit Bedauern auf den Rücktritt von Hans-Olaf Henkel aus dem Bundesvorstand seiner Partei reagiert. „Henkel hat mich sehr oft unterstützt, und er tut das ja auch weiterhin, denn er wird sich weiter mit voller Kraft für die AfD einsetzen. Ich bedaure seine Entscheidung“, sagte Lucke der F.A.Z. am Freitag. Allerdings gebe es „sehr viele andere Mitglieder in der Partei, die mich genauso unterstützen, ich kann deshalb keine Schwächung meiner Stellung erkennen.“ Lucke sprach von dem „Versuch von Vertretern neurechten Gedankenguts, in der AfD Fuß zu fassen“. Das sehe er mit Sorge. Die Mitglieder seien in diesem Punkt vielleicht noch nicht genügend sensibilisiert.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Der AfD-Co-Vorsitzende Konrad Adam äußerte dagegen kein Bedauern angesichts der Entscheidung Henkels: „Ich bedaure nicht, mit Leuten wie ihm in Zukunft nicht mehr diskutieren zu können. Wir sollten Herrn Henkel, der sein politisches Wanderleben bei der AfD beendet hat, nicht übermäßig lange nachtrauern“, sagte Adam dieser Zeitung am Freitag. Henkel habe recht, dass die Partei sich „gegen die Rechtsausleger“ abgrenzen müsse. Doch sei das nur der eine Teil der Wahrheit. Die AfD müsse sich auch von „Marktdogmatikern abgrenzen, die Politik auf Wirtschaft reduzieren wollen“, sagte Adam. Das seien Menschen, die aus dogmatischen Gründen etwa das Freihandelsabkommen TTIP unterstützten. „Wenn der Rückzug von Henkel dazu beiträgt, dass die Mitte gestärkt wird und die Wirtschaftsdogmatiker auf der einen sowie die Nationaldogmatiker auf der anderen Seite geschwächt werden, dann begrüße ich ihn. Ich stehe für die Mitte“, sagte Adam.

          AfD-Sprecher Konrad Adam sieht kaum einen Verlust für die Partei.

          Was Henkel durch seinen in der Öffentlichkeit begründeten Rücktritt angerichtet habe, sei ein „Zerstörungswerk“, welches Henkel „billigend in Kauf genommen“ habe. „Natürlich schwächt es die Partei in einer schwierigen Phase. Enttäuschung, Ratlosigkeit, Mutlosigkeit machen sich breit. Das ist ein ganz natürlicher Vorgang. Diejenigen, die sich zur Mitte gehörig fühlen, sollten alles tun, um diese Stimmung umzukehren“, sagte Adam. Auf Wählerstimmen „aller Dogmatiker“ könne die AfD verzichten. „Ich halte nichts von Dogmen. In der Kirche mögen sie noch angehen, in der Politik haben sie nichts zu suchen.“

          Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland sprach am Freitag von einem Verlust für die Partei. „Ich bedaure, dass Herr Henkel geht. Die Auseinandersetzungen mit ihm waren immer interessant und fruchtbar. Ich sehe nicht, dass uns sein Rücktritt irgendetwas Positives bringen könnte“, sagte Gauland dieser Zeitung. Der Schaden bestehe in dem Verlust einer bekannten Figur. „Herr Henkel hatte seine Wähler, seine Anhänger, das sind zwar in der AfD nicht so viele, aber es bleibt ein Schaden“, sagte Gauland. Mit Unverständnis reagierte er auf Henkels Warnung, die Partei werde von Rechtspopulisten übernommen. „Herr Henkel ist selten bei Sitzungen des Bundesvorstandes gewesen. Und trotzdem hatte Bernd Lucke meistens eine Mehrheit für seine Anträge. Von daher sehe ich keine Übernahme von Neurechten“, sagte Gauland.

          Was die angespannte Atmosphäre im Bundesvorstand der AfD anbelange, müsse er Henkel aber recht geben. „Es hat zwei, drei Sitzungen gegeben, die letzte Telefonkonferenz gehörte dazu, da habe ich auch am Ende das Gefühl gehabt: So kann es nicht weitergehen“, sagte Gauland. „Ich will gerne zugeben: Das Klima muss anders werden.“ Im Richtungsstreit der Partei forderte Gauland mehr Zusammenhalt. „Man muss die Flügel beisammen halten. Natürlich ist die AfD in Bremen und Hamburg anders als in Brandenburg und Sachsen.“ Er sei dafür, dass alle Flügel zu Wort kämen. „Ruhe wird aber nicht einkehren. Das ist die falsche Idee von Bernd Lucke, der die Flügel gerne abgetrennt sehen würde.“

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