https://www.faz.net/-gpf-6kald

Reaktionen auf Sarrazin : Bundesregierung: Sarrazins Äußerungen sind diffamierend

  • Aktualisiert am

Das Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank,Thilo Sarrazin (SPD). Bild: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat über ihren Regierungssprecher mitteilen lassen, die jüngsten Äußerungen Thilo Sarrazins könnten „für viele Menschen in diesem Land nur verletzend sein“. SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte Sarrazin zuvor den Parteiaustritt nahegelegt.

          1 Min.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die jüngsten Äußerungen von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin zu Ausländern in Deutschland als diffamierend kritisiert. „Das sind Äußerungen, die für viele Menschen in diesem Land nur verletzend sein können“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch vor Journalisten in Berlin. Die Worte Sarrazins seien überhaupt nicht hilfreich, um bei der Integration voranzukommen. Die Worte des früheren SPD-Finanzsenators in Berlin seien auch nicht erforderlich gewesen, um auf die Probleme bei der Integration hinzuweisen, fügte Seibert hinzu.

          Sarrazin vertritt in seinem auszugsweise vorab veröffentlichten Buch „Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen“ die These, dass muslimische Einwandererfamilien überproportional von Sozialleistungen profitierten und keinen Beitrag zum Wohlstand leisteten. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat Sarrazins Worte inzwischen als teilweise gewalttätig kritisiert und dem früheren SPD-Landespolitiker indirekt den Austritt aus der Partei nahegelegt. Grünen-Chef Cem Özdemir sagte zu „Spiegel Online“: „Thilo Sarrazin ist ein Stammeskrieger, wie ihn sich ein Bin Laden nur wünschen kann.“

          Sarrazin mache sich mit „denen gemein, die den Menschen nicht individuell nach seinen Weltanschauungen bewerten, sondern nach seiner kulturellen Herkunft“, kritisierte der Grünen-Chef. „Anstrengungen zur Bewältigung der dramatischen sozialen Schieflage in unserem Land, nicht nur bei Migranten, erweist er damit einen Bärendienst.“ Özdemirs Ko-Vorsitzende Claudia Roth forderte eine Abberufung Sarrazins vom Posten des Bundesbank-Vorstandes. „Wie lange duldet die Bundesbank denn noch die Hetzparolen ihres Vorstandsmitglieds Sarrazin“, sagte sie zu Handelsblatt Online.

          Dessen Einlassungen seien keine Provokation, sondern blanker Rassismus. Der Zentralrat der Juden in Deutschland sprach in Zusammenhang mit Sarrazins Äußerungen von „rassistischen Hasstiraden“. „Ich würde Herrn Sarrazin den Eintritt in die NPD empfehlen, das macht die Gefechtslage wenigstens klarer und befreit die SPD“, sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, zu Handelsblatt Online.

          Weitere Themen

          China impft Kinder ab drei Jahren

          Massive Kampagne : China impft Kinder ab drei Jahren

          In verschiedenen chinesischen Provinzen werden Kinder ab drei Jahren gegen das Coronavirus geimpft. Die Impfung ist offiziell freiwillig. Doch die Behörden üben „ermutigenden“ Druck auf die Eltern aus.

          AfD-Eklat in erster Bundestag-Sitzung Video-Seite öffnen

          NS-Vergleich : AfD-Eklat in erster Bundestag-Sitzung

          Bernd Baumann (AfD) sagt zum Auftakt der Bundestagskonstituierung, alle deutschen Parlamente hätten sich an die Regel gehalten, dass der älteste Abgeordnete auch Alterspräsident werde. Nur 1933 habe man mit Hermann Göring eine Ausnahme gemacht. Carsten Schneider (SPD) weist diese Aussage als „Frechheit" zurück.

          Respekt für die Bürger

          Erste Rede von Bärbel Bas : Respekt für die Bürger

          Der Bundestag hat Bärbel Bas zu seiner Präsidentin gewählt. Sie wirbt für mehr Bürgernähe und eine verständliche Politik – und ermahnt die Abgeordneten, endlich eine Wahlrechtsreform anzugehen, „die den Namen verdient“.

          Topmeldungen

          Erste Rede von Bärbel Bas : Respekt für die Bürger

          Der Bundestag hat Bärbel Bas zu seiner Präsidentin gewählt. Sie wirbt für mehr Bürgernähe und eine verständliche Politik – und ermahnt die Abgeordneten, endlich eine Wahlrechtsreform anzugehen, „die den Namen verdient“.
          Krypto-Köpfe: Tyler und Cameron Winklevoss

          Bitcoin & Co : Die klugen Köpfe der Kryptowelt

          Der Erfinder des Bitcoin ist so unbekannt wie mächtig. Aber er ist nicht der einzige, der die Szene besonders prägt. Wer sind die Experten in der Welt der Kryptowährungen? Fünf Porträts.

          Hochzeit in Japan : Aus Prinzessin Mako wird Frau Mako Komuro

          In Japan hat Prinzessin Mako ihren Studienfreund geheiratet – die Hochzeit war zuvor in Medien und in der Bevölkerung auch kritisiert worden. Bei der Braut haben die Vorwürfe Spuren hinterlassen. Wie konnte es dazu kommen?
          Über die Stadt Lanzhou wurde am Dienstag ein Lockdown verhängt. Die vier Millionen Einwohner dürfen ihre Häuser und Wohnungen nur noch in Ausnahmefällen verlassen.

          Massive Kampagne : China impft Kinder ab drei Jahren

          In verschiedenen chinesischen Provinzen werden Kinder ab drei Jahren gegen das Coronavirus geimpft. Die Impfung ist offiziell freiwillig. Doch die Behörden üben „ermutigenden“ Druck auf die Eltern aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.