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Reaktionen auf Mixas Rücktrittsangebot : „Spät - aber nicht zu spät“

  • Aktualisiert am

Bischof Walter Mixa Bild: dpa

Vertreter katholischer Verbände und Politiker haben Bischof Mixas Rücktrittsangebot übergreifend begrüßt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Zollitsch, sagte, er verstehe die Entscheidung nicht als Schuldeingeständnis.

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          Das Rücktrittsangebot des Augsburger Bischofs Walter Mixa ist von katholischen Laienvertretern und Politikern mit Erleichterung aufgenommen worden. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sagte, diese „schwere Entscheidung verdient Respekt“. Die Bischofskonferenz stehe „mit großer Achtung“ vor diesem Entschluss.

          Zollitsch sagte, er verstehe die Entscheidung Mixas nicht als Schuldeingeständnis. Der Augsburger Bischof wolle damit einen Neuanfang in seiner Diözese ermöglichen.

          Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, sagte im Bayerischen Rundfunk, Mixas Schritt sei „letztlich unausweichlich“ gewesen. Für die katholische Kirche in Deutschland sei das eine „große Erleichterung“: „Es ist doch eine schwere Last geworden“, sagte der CSU-Politiker. Zugleich sei Mixas Rückzug „auch ein Stück persönliche Tragödie“.

          Bayerns Finanzminister und ZdK-Mitglied Georg Fahrenschon (CSU) bezeichnete Mixas Rücktrittsgesuch als notwendig. „Ich glaube, er hat jetzt die notwendigen Schritte eingeleitet.“ Mixa sei sich seiner Verantwortung bewusst und stelle sich dieser.

          Mit Respekt hat auch der Augsburger Priesterrat auf das Rücktrittsangebot von Bischof Walter Mixa reagiert. Der Sprecher des Rates, Bernhard Ehler, sagte, es sei anzuerkennen, dass Mixa weiteren Schaden von der Kirche abwenden wolle. Er bedauere aber, dass der Bischof vor einem solchen Ende stehe. Jetzt gelte es für das Bistum Augsburg, einen Neuanfang zu finden. Dazu werde das Domkapitel nach Annahme des Rücktritts durch den Papst einen Diözesanadministrator wählen, der bis zur Neubesetzung des Bischofsamtes das Bistum leiten werde. In Kirchenkreisen gilt der Augsburger Weihbischof Anton Losinger als Kandidat für das Amt des Administrators.

          Auch Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) begrüßte den angekündigten Rücktritt Mixas. Sie könne die gegen den Bischof erhobene Kritik nachvollziehen und habe Respekt vor seinem Schritt, sagte sie im ZDF-Morgenmagazin.

          „Von sich allein wäre er nie zu diesem Schritt bereit gewesen“

          Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth hat den Rücktritt des Augsburger Bischofs Walter Mixa als überfällig bezeichnet. „Der Rücktritt von Bischof Mixa war ein überfälliger Schritt, zu dem erst die deutlichen Worte seiner Bischofskollegen nötig waren“, sagte Roth am Donnerstag laut Mitteilung in Berlin. „Ein Geistlicher, der prügelt, lügt und Gelder für Waisenkinder zweckentfremdet, hat auf einem Bischofssitz nichts verloren.“ Roth mahnte allerdings auch, die Aufklärung der Vorwürfe gegen Mixa müsse weitergehen.

          Der für die Kirchen zuständige bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sagte am Rande einer Landtags-Sitzung, dass Mixas Entscheidung zu respektieren sei. „Sie ist in gewisser Weise folgerichtig.“ Der bayerische FDP-Fraktionsvorsitzende Thomas Hacker nannte Mixas Schreiben an den Papst „konsequent und folgerichtig“.

          Bayerns SPD-Fraktionvorsitzender Markus Rinderspacher sagte, Mixas Rücktrittsgesuch sei „mehr als überfällig“ gewesen. Es sei aber allein auf den stetig gewachsenen öffentlichen Druck zurückzuführen. „Von sich allein wäre er nie zu diesem Schritt bereit gewesen“, sagte Rinderspacher der Nachrichtenagentur ddp.

          Der Sprecher der ChristSozialen Katholiken (CSK) in der CSU, Thomas Goppel, zollte Mixa für seinen Schritt Respekt. „Der Bischof hat eine Entscheidung getroffen - spät, aber nicht zu spät“, sagte Goppel im ZDF-Morgenmagazin. Zugleich kritisierte er eine einseitige Berichterstattung „über Gegebenheiten von vor 30 Jahren“, durch die der Eindruck entstanden sei, „da ist jemand prügelnd unterwegs“.

          „Spät - aber nicht zu spät entschieden“

          Die bayerischen Grünen bezeichneten das Rücktrittsangebot als „mehr als überfällig“. „Mixa hat der Kirche so schweren Schaden zugefügt“, sagte die religionspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Ulrike Gote. Mixa habe mit seinem unakzeptablen Verhalten über Wochen „viele Christen enttäuscht“.

          Der Sprecher der ChristSozialen Katholiken (CSK) in der CSU, Thomas Goppel, bekundete Mixa Respekt. „Der Bischof hat eine Entscheidung getroffen - spät, aber nicht zu spät“, sagte er im ZDF-Morgenmagazin. Goppel kritisierte zugleich eine einseitige Berichterstattung „über Gegebenheiten von vor 30 Jahren“. Es werde der Eindruck erweckt, „da ist jemand prügelnd unterwegs“. Mixa habe einen Fehler gemacht, als er die Vorwürfe vor drei Wochen zurückgewiesen habe, sagte Goppel. „Aber dass man deswegen einen Skandal daraus konstruiert, in dem die ganze Kirche untergehen könnte, das geht nicht.“

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