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Reaktionen auf den Tod Kohls : „Sein Vermächtnis wird weiterleben“

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Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer bezeichnete Kohl als „Ausnahmepolitiker“. Kohl sei „einer der ganz großen Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, ein international hoch geschätzter Staatsmann und ein überzeugter Europäer" gewesen. Sein Name werde „auf alle Zeit verbunden bleiben mit der Wiedervereinigung unseres Vaterlands“.

Die Linken-Politiker Katja Kipping, Sahra Wagenknecht, Bernd Riexinger und Dietmar Bartsch erklärten, über alle politischen Differenzen hinweg „steht heute die Trauer um einen großen Europäer im Vordergrund“. Kohl habe die soziale „Spaltung des Landes nie so groß werden lassen wie seine Nachfolger und es vermieden, die Bundesrepublik in militärische Abenteuer zu stürzen“.

Grünen-Parteichef Cem Özdemir würdigte Kohl ebenso: „Bei allem Streit, bei einer Frage haben wir uns immer vor ihm verneigt: Ein großer Europäer ist von uns gegangen.“ Kohl habe eine Ära geprägt; sein Name stehe für immer in Verbindung mit einem der großartigsten Projekte der Nachkriegsgeschichte: der deutschen Wiedervereinigung.

Auch der ehemalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hat die Verdienste Helmut Kohls gewürdigt, zugleich aber an den heftigen Meinungsstreit mit dem am Freitag gestorbenen Altkanzler erinnert. „Er hat wie wenige polarisiert“, schrieb Beck in einem Nachruf, der am Freitagabend vom SPD-Landesverband in Mainz verbreitet wurde. Ein geeintes Deutschland und Europa sei sichtbarer Beleg für das erfolgreiche Wirken des Kanzlers Kohl, schrieb Beck. „Da war aber auch der politische Kämpfer in die eigene Partei hinein und der erbitterte Gegner der „Sozen“, wie er zu sagen pflegte.“ So habe Kohl Rudolf Scharping und ihm nie verziehen, dass die SPD die Regierung in der Staatskanzlei in Mainz übernommen habe.

Zuvor hatte bereits die derzeitige Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD) erklärt, sie behalte den verstorbenen Altkanzler als „rheinland-pfälzischen Europäer“ in Erinnerung. Kohl gehöre „zu den herausragenden politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts“, erklärte die derzeitige Bundesratspräsidentin in Mainz. Er verkörpere „die europäische Idee wie wenige andere“.

Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, dankte Helmut Kohl für dessen Beziehung zur jüdischen Gemeinschaft. „Mein besonderer Dank gilt seinem unermüdlichen Engagement für Versöhnung und das gute, vertrauensvolle und freundschaftliche Miteinander von nichtjüdischen und jüdischen Menschen in Deutschland“, sagte sie am Freitag laut Mitteilung.

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Helmut Kohls Leben in Bildern : Vom Provinzpolitiker zum Einheitskanzler

Von herausragender Bedeutung sei der humanitäre Pakt zwischen Kohl und dem damaligen Präsidenten des Zentralrats, Heinz Galinski, über die Aufnahme jüdischer Emigranten aus der einstigen Sowjetunion gewesen. Dort hatte Ende der 1980er Jahre eine abermalige Welle des Antisemitismus eingesetzt.

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