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Reaktionen auf Nahles-Wahl : „Sie wird Vertrauen gewinnen“

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Die erste Frau an der Spitze der SPD: Andrea Nahles Bild: EPA

Nach dem schlechten Ergebnis von Andrea Nahles bei der Wahl zur SPD-Vorsitzenden stellt sich die Parteispitze demonstrativ hinter sie. Die Linke hofft auf einen Linkskurs der Sozialdemokraten. Und der FDP-Vorsitzende Christian Lindner will die Partei geeint sehen.

          Die SPD-Führungsspitze hat der neuen Parteivorsitzenden Andrea Nahles nach ihrem mageren Wahlergebnis demonstrativ den Rücken gestärkt. „Sie wird auch das Vertrauen derer gewinnen, die nicht für sie gestimmt haben“, sagte Parteivize Ralf Stegner am Montag im ZDF-„Morgenmagazin“. Wenn sie wieder kandidiere, werde das Ergebnis auch nach oben gehen. Angesichts des SPD-Umfragetiefs und dem Bundestagswahlergebnis sei auch kein 80-Prozent-Ergebnis zu erwarten gewesen.

          Nahles ist die erste Frau an der Spitze der SPD in deren mehr als 150 Jahre langer Geschichte. Ein Sonderparteitag wählte sie am Sonntag in Wiesbaden. Die Delegierten verpassten Nahles aber einen klaren Dämpfer: Sie erhielt nur eine Zustimmung von 66,3 Prozent. Ihre Gegenkandidatin, Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange, schnitt stärker ab als erwartet.

          Auch die stellvertretende SPD-Vorsitzende Malu Dreyer sieht genug Rückhalt für Nahles in der Partei. „Ich bin überzeugt, dass Andrea Nahles genug Rückenwind hat“, sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin der „Rheinischen Post“. Auf dieser Grundlage könne sie „sehr gut arbeiten“. Dreyer gestand aber ein, dass sie mit einem besseren Ergebnis für Nahles gerechnet hätte. Die stellvertretende Parteivorsitzende Manuela Schwesig zeigte sich überzeugt, dass Nahles für das Amt genau die Richtige sei, „weil sie die Kraft und das Stehvermögen besitzt, um die Partei wieder nach vorne zu führen und zu einen“. Es sei aber klar, dass ein „schwerer und steiniger Weg“ vor der SPD liege, sagte die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern der „Passauer Neuen Presse“.

          Auch Schwesig hob hervor, dass sie sich ein besseres Ergebnis für Nahles gewünscht hätte. Nach den vergangenen Monaten sei aber klar gewesen, „dass viele in der Partei unzufrieden sind“. Sie hätten sich offenbar in der Kandidatur von Lange wiedergefunden. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) mahnte seine Partei eindringlich zur Geschlossenheit. „Wenn die SPD jetzt permanent nur nach innen schaut und nach innen streitet, dann sind die Erfolgsaussichten überschaubar“, sagte Weil im Norddeutschen Rundfunk. „Das Teamspiel in der SPD und vor allem in der SPD-Führung war ausbaufähig.“ Die SPD-Linke Hilde Mattheis wertete das magere Ergebnis für Nahles im Südwestrundfunk (SWR) als Mahnung dafür, „jetzt wirklich auf einen Erneuerungskurs zu gehen“. Jetzt müssten „wirklich Taten folgen“.

          Nahles sagte im „Heute-Journal“ des ZDF, sie finde ihr Ergebnis „absolut vertretbar“. Die SPD habe in den vergangenen Monaten sehr hart um den richtigen Weg gerungen. „Und offensichtlich gibt es da immer noch viele, die skeptisch sind, ob wir wirklich die richtige Entscheidung getroffen haben.“ Nahles versprach: „Ich trete ab morgen den Beweis an, dass Regieren und Erneuern möglich ist.“

          Simone Lange traut Nahles viel zu. „Ich bin mir sicher, dass sie eine starke Parteivorsitzende sein wird“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Dass sie selbst überraschend 27,6 Prozent der Stimmen bekommen hat, sei aber auch eine Mahnung. „Es bestätigt das große Bedürfnis nach Veränderung, nach echter Erneuerung – also auch nach neuen Köpfen“, sagte Lange. In der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ kündigte sie an, sich auf jeden Fall weiter in der SPD zu engagieren.

          Auch der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert verlangte, ernst zu machen mit der angestrebten Erneuerung. Es dürfe „jetzt keine künstliche Ruhe in der SPD einkehren“, sagte er in den ARD-„Tagesthemen“. „Das wäre der genaue Fehler, den wir jetzt machen könnten.“ Nahles sagte im „Bericht aus Berlin“ der ARD: „Ich glaube, wir brauchen wirklich einen Aufbruch für Debatte in unserer Partei, die ausstrahlt. Das ist es, was ich mit Erneuerung verstehe und das hat es so, glaube ich, in der Vergangenheit noch nicht gegeben.“

          Der frühere Parteichef Martin Schulz wünschte seiner Nachfolgerin, „dass sie die volle Loyalität der Parteiführung bekommt“. Im Sender Phoenix fügte er hinzu: „Ich traue Andrea Nahles zu, dieses skeptische Drittel, das für Simone Lange gestimmt hat, auch zu gewinnen. Ich glaube, dazu hat sie die Kraft und auch die Ausdauer.“

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