In Sachsen und Thüringen :
Razzia in linksextremer Szene nach Überfällen in Budapest

Von Stefan Locke, Dresden
Lesezeit: 2 Min.
Schon Anfang des Monats gab es polizeiliche Durchsuchungen in Leipzig (Symbolbild)
Mutmaßlich Linksextreme sollen bei einem Neonazitreffen in Budapest mehrere Menschen verletzt haben. Am Mittwoch gab es deshalb Durchsuchungen in Leipzig und Jena.

Ein Überfall mutmaßlich linksextremer Gewalttäter Mitte Februar in Budapest hat am Mittwoch zu Konsequenzen in Sachsen und Thüringen geführt. Die Landeskriminalämter beider Freistaaten ließen drei Wohnungen in Leipzig sowie fünf Wohnungen in Jena durchsuchen, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Dresden mit, die in dem Fall mit der Zentralstelle Extremismus Sachsen ermittelt.

Die Strafverfolger verdächtigen sieben Personen, die alle aus Deutschland stammen, zwischen dem 9. und 11. Februar dieses Jahres „aus linksextremistischen Motiven gewaltsame Angriffe auf vermeintliche Angehörige der rechten Szene in Budapest begangen zu haben“.

Angriffe am „Tag der Ehre“

Den Ermittlern zufolge handelt es sich bei den Beschuldigten um vier Frauen, die 20 beziehungsweise 22 Jahre alt sind, sowie drei Männer im Alter von 21, 26 und 29 Jahren. Ihnen wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Sie sollen am sogenannten „Tag der Ehre“, den jedes Jahr Tausende Neonazis aus ganz Europa in der ungarischen Hauptstadt als Erinnerung an die Schlacht um Budapest im Zweiten Weltkrieg begehen, mehrere Menschen attackiert haben, die sie für Teilnehmer des rechtsextremen Aufmarsches hielten. Der ungarischen Polizei zufolge nahmen die Täter ihre Opfer anhand äußerer Erkennungszeichen wie Kleidung oder Stiefel ins Visier und setzten ihnen dann mit Bleihandschuhen, Hämmern und Teleskopschlagstöcken zu.

Zu den Geschädigten gehören sollen auch ein Ungar, der sich lediglich auf dem Weg zur Arbeit befunden hatte, sowie ein deutsches Paar, das zuvor ein Konzert besucht hatte. Insgesamt seien bei den Angriffen zwei deutsche, drei ungarische und drei polnische Staatsangehörige zum Teil erheblich verletzt worden, teilten die sächsischen Ermittler mit.

Unmittelbar nach den Angriffen hatte die ungarische Polizei bereits vier mutmaßliche Täter festgenommen, darunter zwei Deutsche, eine Italienerin und eine Ungarin. Sie bestritten jedoch zunächst, etwas mit den Taten zu tun zu haben.

Bei den Durchsuchungen am Mittwoch stellten die Ermittler nicht näher genannte Beweismittel sicher, die nun in Zusammenarbeit mit den ungarischen Behörden ausgewertet würden.

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion in Thüringen, Raymond Walk, forderte die Landesregierung auf, einen möglichen Zusammenhang zu Überfällen auf zwei Rechtsextreme in Erfurt zu prüfen. Beide Personen waren im Januar auf offener Straße aus einer Gruppe heraus attackiert und schwer verletzt worden.

Zugleich sprach er sich für den Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel sowie von V-Leuten zur Aufklärung im der linksextremen Szene aus. „Dass Exekutivmaßnahmen anderer Bundesländer jetzt schon zum wiederholten Male in Thüringen vollzogen werden, zeigt, wie überregional vernetzt die gewaltbereite extremistische Szene ist.“