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Razzia im Morgengrauen : Kölner Polizei setzt Islamisten fest

Ein Polizist mit Sprengstoffspürhund macht sich am Donnerstag auf den Weg zur Wohnung eines mutmaßlichen Gefährders. Bild: dpa

Womöglich hat die Kölner Polizei mit ihrer Razzia einen islamistischen Anschlag verhindert. Einer der Männer plante nach eigenen Worten „den Aufstieg in die höchste Stufe des muslimischen Glaubens“. Die Ergebnisse der Durchsuchungen geben Anlass zu erhöhter Vorsicht.

          Es war erst kurz nach vier Uhr am Morgen, als Spezialkräfte am Donnerstag in die Wohnung des 21 Jahre alten R. in Düren eindrangen. Seit etwa einem Jahr haben die Sicherheitsbehörden den jungen Mann im Blick. Denn schon kurz nach seiner Konversion zum Islam radikalisierte sich R. rasch, äußerte in abgehörten Gesprächen immer offener seine Gewaltbereitschaft, leistete sogar den Treueeid auf die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS), wollte 2018 gar noch in das zerfallende Herrschaftsgebiet des IS reisen, wurde aber am Flughafen Düsseldorf abgefangen.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Seit einem Jahr führt ihn der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz als dschihadistischen Gefährder – also als einen Extremisten, dem jederzeit eine schwere Straftat zugetraut wird. Die Alarmglocken der Sicherheitsbehörden schrillten, als vor kurzem der aus Berlin stammende Deutsch-Libanese C. bei R. in Düren einzog. Die Behörden observierten R. noch stärker. „Wir hatten aktuell verdeckte Erkenntnisse, dass ein Anschlag unmittelbar bevorstehen könnte“, sagt der Leitende Kriminaldirektor Klaus-Stephan Becker am Donnerstagnachmittag in Köln.

          Konkret hatten die Behörden ein Telefonat abgehört, in dem C. sagte, er plane „den Aufstieg in die höchste Stufe des muslimischen Glaubens“. Islamwissenschaftler bestätigten der Polizei, dass dies eine Umschreibung für einen Selbstmordanschlag sein kann. Ob sich C. und seine mutmaßlichen Helfer schon einen konkreten Ort und Tag für einen Anschlag ausgesucht hatten, wissen die Behörden nicht. „In dieser Situation ging Gefahrenabwehr vor Strafverfolgung.“

          Zumal C. alles andere als ein Unbekannter für die Sicherheitsbehörden ist. In Berlin ist er schon seit 2013 als Gefährder eingestuft, weil er eng in wechselnde salafistische Strukturen eingebunden war. „Er ist Mitglied einer sehr konspirativ agierenden, multinationalen Gruppe“, berichtet Becker. Demnach hielt C. Anfang des Jahrzehnts zunächst engen Kontakt zu den, wie Becker formuliert „Highend-Islamisten“ Mohamed Mahmoud und Denis Cuspert. Wie sie wollte auch C. für den IS in Syrien oder den Irak in den Dschihad ziehen. Doch seine Reise endete schon in Ägypten. 2016 soll C. einer der Vorbeter in der Berliner Fussilet-Moschee gewesen sein, in die auch der spätere Weihnachtsmarktattentäter Anis Amri ging.

          Im Rheinland machte sich der 30 Jahre alte Deutsch-Libanese vor kurzem als Trockenbauer selbständig. Aktuell arbeitete er zusammen mit weiteren möglichen Verdächtigen auf einer Baustelle in der Kölner Innenstadt. Auch der Bauabschnitt, in dem C. zuletzt tätig war, wurde deshalb am Donnerstag durchsucht. Wie Einsatzleiter Michael Esser berichtet, schlug dabei ein Sprengstoffspürhund an. „Es ist aber noch unklar, ob sich dort Sprengmittel befinden.“

          In Düren durchsuchten die Beamten im Laufe des Tages weitere Wohnungen und Arbeitsstätten; insgesamt sechs Männer wurden in Gewahrsam, aber nicht festgenommen. Man bemühe sich um eine nach dem neuen nordrhein-westfälische Polizeigesetz mögliche längere Gewahrsamnahme, sagt Becker. Die Norm erlaubt es, Gefährder für zunächst zwei Wochen in sogenannten Unterbindungsgewahrsam zu nehmen. Droht eine schwere Straftat, kann er um zwei weitere Wochen verlängert werden. Beide Stufen stehen unter Richtervorbehalt.

          Anlass für erhöhte Vorsicht geben aus Sicht der Polizei die beschlagnahmten Gegenstände. In der Wohnung von R. und C. in Düren fanden die Beamten Messer, Baseballeschläger, eine versteckte Flasche mit bisher nicht identifiziertem Inhalt. Zudem stießen sie auf Rechner, Festplatten und mehr als ein Dutzend Mobiltelefone. „Diese Menge Mobiltelefone in der Wohnung, in der die beiden erst kurz gewohnt haben, macht deutlich, dass sie sehr konspirativ agiert haben, um ihr Tun zu verschleiern“, so Esser. In der Gesamtschau seien die Behörden am Donnerstagmorgen zum Handeln gezwungen gewesen, sagt Becker.

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