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Rauchverbot : Kneipe und Krankenhaus

Bild: F.A.Z.-Greser&Lenz

Die Vorschläge zum Rauchverbot stoßen bei den Bundestagsfraktionen auf verfassungsrechtliche Bedenken. Es geht bei der Frage, wo das Verbot gelten soll, aber auch um Genußkultur. Ein Kommentar von Jasper von Altenbockum.

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          Daß Diskotheken wie Speiserestaurants behandelt werden - ist das kulturelle Degradierung, zwangsweise Verbürgerlichung oder einfach nur Realitätsblindheit? Das kuriose Detail eines von den Koalitionsparteien seit langem befürworteten Rauchverbots in Deutschland zeigt die zweifelhaften Züge, aber auch die rührende Sorgfalt seiner Verwirklichung.

          Darum ging es bis zuletzt: Wo könnte ein solches Verbot absurde Züge annehmen, wo ist es konsequent durchzusetzen, wo muß es also Ausnahmen von der Verbotsregel geben, wo aber dürfen solche Rücksichten keine Rolle spielen? Weitgehend verdrängt wurden dabei Fragen nach der unbedingten Notwendigkeit eines Verbots. Eine Selbstverpflichtung des Gaststättengewerbes war weitgehend unwirksam geblieben. Die Politik sah sich damit veranlaßt, über öffentliche Einrichtungen hinaus auch dort einzugreifen, wo Nichtraucher den Gastwirten hätten zeigen können, was eine Marktlücke ist.

          Tabakkollegium, Genußsucht und Frauenemanzipation

          Ginge es Bund und Ländern aber tatsächlich nur um Volksgesundheit, Jugendschutz und Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen, hätte sich die Diskussion über Ausnahmen, Praktikabilität und Ordnungspolitik schnell erledigen müssen. Raucherzimmer, Extrawürste für die Sucht hätten dann keine Chancen haben dürfen.

          Es wäre grotesk, aus einer Kneipe einen Luftkurort machen zu wollen

          Die Erfolge in anderen Staaten, die radikal vorgingen, lassen sich sehen. Irland etwa rechnet bei der Krankenversorgung mit revolutionären Einsparungen. Das Gegenbeispiel ist Spanien - anders als in Irland halten es Behörden und Gesetzgeber mit dem Verbot dort nicht so genau. Deutschland wird wohl irgendwo in der Mitte landen.

          Es geht eben nicht nur um Volksgesundheit. Niemand wird verstehen, warum in Schankwirtschaften das (Passiv-)Rauchen weniger schädlich sein sollte als in Restaurants oder Krankenhäusern. Jedermann wird aber auch verstehen, daß es grotesk wäre, aus einer Kneipe einen Luftkurort machen zu wollen. Der einfache Grund dafür ist, daß Rauchen nicht nur mit Lungenkrebs zu tun hat, sondern auch mit Tabakkollegium, Genußsucht und Frauenemanzipation. Das mag als bürgerliche Nostalgie bezeichnen, wer die Kulturpflanze Tabak mit Stumpf und Stiel aus postmodernem Boden reißen will. Aber Diskotheken sind nun einmal keine Speiserestaurants.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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