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Randale in der Hauptstadt : Berlin außer Rand und Band

  • -Aktualisiert am

In so manchem Kiez scheint die Berliner Polizei überfordert Bild: ddp

In den letzten Tagen häufen sich in Berlin Schlägereien und aggressive Übergriffe. Mit Berliner Protest-Randale, wie man sie vom 1. Mai kennt, hat das nichts zu tun. Die Vorfälle geschehen aus dem Alltag heraus. Erinnerungen an die Krawalle in Pariser Vorstädten werden wach.

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          Ist es der ganz normale Wahnsinn, eine zufällige Häufung oder die Vorahnung französischer Verhältnisse in der Bundeshauptstadt? Seit Dienstag häufen sich in Berlin Vorfälle, die aus den alltäglichen Polizeireporten von Schlägereien, Randale und Mobbing herausfallen.

          In Kreuzberg stellten sich achtzig Jugendliche Polizisten entgegen, in Tempelhof verprügelten sechzig Jugendliche einen Schüler, in Moabit hinderte eine wütende Menschenmenge Sanitäter an der Arbeit und wieder in Kreuzberg überfielen maskierte Jugendliche eine Schulklasse und stachen einen Schüler nieder.

          Aus dem Alltag heraus

          Mit Berliner Protest-Randale, wie man sie vom 1. Mai kennt, hat das alles nichts zu tun. Die Vorfälle geschehen aus dem Alltag heraus - einem Alltag, der in Berlin außer Rand und Band zu geraten scheint, besonders in jenen Stadtgebieten, die durch eine besonders hohe Arbeitslosigkeit von Jugendlichen aus Migrantenfamilien auffallen.

          Jugendliche in Berlin

          Der letzte Vorfall ereignete sich am Donnerstag nachmittag um viertel nach drei Uhr. In der Eberhard-Klein-Oberschule in der Skalitzer Straße in Kreuzberg klopfte der Darstellung der Berliner Polizei zufolge ein Jugendlicher an die Tür des Physikraums und fragte den Lehrer nach einem der Schüler. Dann stürmten mehrere offenbar maskierte Jugendliche das Klassenzimmer, schnappten sich ihr Opfer und prügelten auf den Lehrer und die anderen Schüler ein. In einem Nebenraum stachen sie ihrem Opfer mehrmals ins Gesäß und flüchteten dann über den Schulhof.

          Vorwürfe an die Polizei

          Unweit der Schule, im sogenannten „Wrangel-Kiez“, hatte es am Dienstag abend eine Auseinandersetzung zwischen rund hundert Jugendlichen und der Polizei gegeben, die inzwischen auch die Berliner Landespolitik beschäftigt. Nachdem Polizisten zwei Zwölfjährige festgenommen hatten, die des versuchten Raubs verdächtigt wurden, tauchten laut Polizei wie aus dem Nichts zwischen achtzig und hundert Jugendliche auf und bedrängten die Einsatzkräfte. Zwei Beamte seien dabei verletzt worden.

          In den Berliner Tageszeitungen kamen nach dem Vorfall Jugendliche zu Wort, die von Provokationen und ausländerfeindlichen Äußerungen der Polizisten berichteten, einer der Festgenommenen behauptete, nach der Festnahme von Polizisten traktiert worden zu sein. Die Polizei wies diese Darstellungen zurück, die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus machten sich die Kritik zu eigen und forderten den Einsatz türkisch- und arabischsprachiger Polizisten. Diese „hätten anders auf die zwei zwölfjährigen Jugendlichen einwirken können, als sie mit Handfesseln an die Wand zu stellen und unangemessene Sprüche zu reißen“.

          Wie groß das Aggressionspotential in manchen Gegenden ist, zeigte sich am Mittwoch bei einer Schlägerei vor einer Schule in Tempelhof, an der sechzig Jugendliche beteiligt waren. Zu Schaden kam ein Fünfzehnjähriger, über den eine ganze Horde hergefallen war. Das Opfer, das in Medienberichten als „Deutschtürke“ beschrieben wurde, nannte Streitigkeiten zwischen Schülern zweier Schulen als Grund für die Auseinandersetzung.

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