https://www.faz.net/-gpf-9x35p

Höcke gegen Ramelow : Die Saat der Radikalen ist aufgegangen

Bodo Ramelow (links) und Björn Höcke im Thüringer Landtag in Erfurt Bild: dpa

Attentate, Anschläge, Amokläufe – die Saat der Radikalen scheint aufzugehen. Thüringen zeigt, wie schwierig es sein wird, die alte Mitte wieder zu stärken.

          1 Min.

          Die AfD tut derzeit alles, um den Verdacht zu zerstreuen, sie sei ein Fall für den Verfassungsschutz. Nach dem Mord an Walter Lübcke sah sie dazu noch keinen Anlass, erst Kritik nach dem Massenmord in Hanau hat die Führung aufgeschreckt. Auch dabei sieht sie sich indessen als Opfer von Schmähungen und macht das vor allem an den Angriffen auf ihre Funktionäre fest.

          Der jüngste Anschlag auf das Auto des Vorsitzenden Tino Chrupalla in Sachsen ist eine besorgniserregende Fortsetzung solcher Angriffe, die mutmaßlich auf das Konto gewalttätiger „Antifaschisten“ gehen. Die sind ihrerseits Ziel solcher Attacken. Was für rechts gilt, gilt auch für links: Aus Worten werden Taten. Dem Fanatismus beider Seiten ist allerdings auch gemein, dass treffende Kritik schon als Hass und Hetzkampagne gebrandmarkt wird. So soll von zwei Seiten die Mitte eingeschüchtert werden.

          Was dabei herauskommt, lässt sich seit Monaten in Thüringen studieren. Wenn Bodo Ramelow am Mittwoch gegen Björn Höcke antritt, geht es gar nicht in erster Linie um diese beiden, sondern darum, wie sich die zersplitterte, ehemals breite Mitte verhält. Schlimm genug, dass aus der SPD – immerhin Bündnispartnerin einer linksradikalen SED-Nachfolgepartei in den Nachwendejahren – Stimmen laut werden, die CDU und FDP nach dem Kemmerich-Fiasko gar nicht mehr dazu zählen wollen. Die CDU, egal, was sie tut, wird so schnell nicht wieder ihre alte Stärke zurückgewinnen. Die Saat der Radikalen ist aufgegangen.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Shuttle nach Schönefeld

          FAZ Plus Artikel: Die DDR und ihr Flughafen : Shuttle nach Schönefeld

          Nach der Wiedervereinigung der deutschen Hauptstadt Berlin werde man mit dem Helikopter von Tempelhof nach Schönefeld fliegen und von dort in die Welt – dachte man sich 1956 in der DDR. Nun ist es etwas, aber nicht ganz anders gekommen. Ein Essay.

          Der neue Sultan und seine „Agenda 2040“

          Reformen in Oman : Der neue Sultan und seine „Agenda 2040“

          Von „ungekannten Herausforderungen“ spricht der neue Sultan von Oman. Unter dem im Frühjahr verstorbenen Sultan Qabus hat sich das Land zwar gut entwickelt. Aber jetzt leidet es unter niedrigen Ölpreisen und der Pandemie.

          Topmeldungen

          Wachstumsgeschichte: Die Eschborner „Skyline“ entstand nach dem neuen Rathaus und der „kleinen Ortsumgehung“ Rödelheimer Straße.

          Eschborn : Vom „armen Kaff“ zur Boomtown

          Ein Trip durch Amerika war der Ausgangspunkt für den Aufstieg des kleinen Frankfurter Nachbarn Eschborn. Ein Mann hat maßgeblich dafür gesorgt, dass aus einem Dorf eine wohlhabende Kommune geworden ist.
          Künstliches Licht: Indoor-Farming ist energieintensiv.

          Essen aus der Stadt : So könnte die Ernährung der Zukunft aussehen

          Die meisten Lebensmittel werden über Hunderte Kilometer transportiert, bevor sie bei uns auf dem Teller landen. Urbane Landwirtschaft will das ändern – und eine Antwort auf den wachsenden Hunger auf der Welt finden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.