https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/rainer-maria-woelki-fruehere-sekretaerin-meisners-belastet-kardinal-18466214.html

Erzbistum Köln : Meisners frühere Sekretärin belastet Kardinal Woelki

Erzbischof von Köln, Kardinal Rainer Maria Woelki Bild: dpa

Kölns Erzbischof soll vom Prostituierten-Kontakt eines Priesters mehr gewusst haben, als er behauptet. Die Zeugin sagt: „Die Lügen müssen aufhören.“

          3 Min.

          In einem presserechtlichen Verfahren des Erzbistums Köln gegen den Springer-Verlag hat eine Zeugin die Glaubwürdigkeit des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Kardinal Woelki massiv erschüttert. Streitgegenstand ist die Berichterstattung über den Fall des Pfarrers Michael D., den Woelki 2017 zum stellvertretenden Stadtdechanten von Düsseldorf befördert hatte. Woelki hatte stets behauptet, er habe von einem Kontakt des Priesters mit einem jugendlichen männlichen Prostituierten nur gehört. Darüber hinausgehende Gerüchte hätten sich nie bestätigt, so dass der Beförderung nichts entgegengestanden habe.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Vor dem Kölner Landgericht sagte die langjährige Sekretärin von Woelkis Amtsvorgänger in Köln, Joachim Kardinal Meisner, am Mittwoch aus, Woelki habe sie während seiner Zeit als für den Bezirk Düsseldorf zuständiger Weihbischof wegen Michael D. sprechen wollen, allerdings so, dass Meisner und der damals zuständige Generalvikar Dominikus Schwaderlapp davon nichts erführen. In einem etwa zwanzigminütigen Gespräch, das die Zeugin in die Zeit zwischen 2009 und 2011 datierte, habe sie Woelki wahrheitsgemäß alles berichtet, was sie über den Lebenswandel des D. gewusst habe: Dass sie D. viele Jahre in Freundschaft verbunden gewesen sei, dass dieser sich ihr gegenüber als homosexuell geoutet habe und dass er 2002 von einem minderjährigen Sexualpartner erpresst worden sei. Ein Rechtsbeistand des D. wies diese Aussagen gegenüber dieser Zeitung mit den Worten zurück, es sei „unzutreffend dass unser Mandant sich gegenüber der Zeugin als homosexuell geoutet hat“.

          Woelki schon 2011 über Lebenswandel von Pfarrer informiert

          Weiter sagte die heute 72 Jahre alte Zeugin aus, dass sie D. mehrmals auf Unternehmungen begleitet habe, um ihn hinsichtlich seines Umgangs mit Messdienern – Saunabesuche, Anzüglichkeiten, Kauf von Unterwäsche - ermahnen können. Auch diese Sachverhalte sind nach Darstellung des Rechtsbeistandes von D. unzutreffend. Richtig sei vielmehr, „dass die Dame einmal auf Einladung unseres Mandanten mitfahren durfte und einmal ohne jegliche Absprache nachgereist ist, dies offenbar aus dem Grund, unserem Mandanten nahe zu sein. Später hat sie sich sogar als Haushälterin bei unserem Mandanten angeboten.“ Bei der vermeintlichen „Unterwäsche“ habe es sich überdies um eine „Schürze mit der Darstellung des David von Michelangelo in Florenz“ gehandelt. Diese habe D. nicht einmal erworben.

          Die Zeugin, die in Gegenwart ihres Anwaltes Graf von Westphalen über ihre Pflicht zur wahrheitsgemäßen Aussage belehrt worden war, sagte weiterhin aus, sie habe die „Freundschaft“ um das Jahr 2009 beendet. „Ich konnte das nicht mehr aushalten“, will die Zeugin gegenüber Meisner und Schwaderlapp gesagt haben. Demnach war Woelki über den Lebenswandel des D. aus erster Hand schon vor seiner Wahl zum Erzbischof von Berlin im Jahr 2011 präzise informiert. Gleichwohl sah er als der zuständige Weihbischof keine Veranlassung, auf disziplinarische Konsequenzen oder eine kirchenrechtliche Voruntersuchung zu dringen, wie es die seit 2010 geltenden Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz für Fälle wie diesen vorsahen – und dies, obwohl D. im Jahr 1995 unter obskuren Umständen aus dem Bergischen Land nach Düsseldorf versetzt worden war.

          Ebenfalls keine Konsequenzen hatten ein Bericht des damaligen Personalchefs Stefan Heße und eine für Meisner bestimmte Notiz des damaligen Missbrauchsbeauftragten Norbert Trippen aus dem Herbst 2010. Damals waren, wie man heute weiß, neue Vorwürfe gegen D. laut geworden. Den Bericht Heßes habe sie nie gesehen, sagte die Zeugin, wohl aber die Notiz Trippens. „Schon wieder was aus Düsseldorf“, habe sie zu sich gesagt und das Schriftstück ohne es zu lesen Kardinal Meisner zugeleitet.

          Während der Zeugenvernehmung kam auch zur Sprache, dass ein Partner der Kölner Kanzlei Höcker namens Brennecke die frühere Sekretärin Meisners telefonisch kontaktiert hatte. Der Rechtsanwalt, der Kardinal Woelki als Kläger in dem Verfahren vertritt, nahm demnach am 22. Juni Kontakt mit der Frau auf. Nach eigenen Worten war sie damals „sehr aufgewühlt“ und noch nicht entschieden gewesen, ob sie der Ladung als Zeugin folgen solle. In dieser Situation habe sie Brennecke „ihr Herz ausgeschüttet“. Dieser bot ihr in dem Telefonat an, dass sie jederzeit mit ihm Kontakt aufnehmen könne. Er wies sie unter anderem auf die Möglichkeit hin, sich ein Schreiben ihres Psychotherapeuten zu besorgen, um nicht aussagen zu müssen. Davon machte die Zeugin keinen Gebrauch. „Das Lügen muss aufhören“, sagte sie am Mittwoch. Die Beweiserhebung wird im Dezember fortgesetzt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wirtschaftsminister Robert Habeck

          Habeck in Washington : Der China Reduction Act

          Wirtschaftsminister Habeck ist zu Gesprächen in Washington. Es geht um die amerikanische Subventionsoffensive und wie europäische Unternehmen stärker davon profitieren können. Der Plan dahinter reicht aber noch weiter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.