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Neue Bundeswehr-Hubschrauber : Nur Fliegen ist schöner

Da dreht sich alles: Ein NH-90-Hubschrauber fliegt über den Truppenübungsplatz Bergen bei Munster Bild: Getty

Am Mittwoch soll der Bundestag dem Kauf von neuen Hubschraubern für die Bundeswehr zustimmen. Damit ist diesen aber noch lange keine reibungslose Zukunft garantiert. Die Mängelliste des NH90 wird immer länger. Fliegen darf er nur unter besonderen Auflagen.

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          Bei der Beschaffung der neuen Hubschrauber für die Bundeswehr ist weder den Herstellern noch den Bestellern das Sprichwort ein Trost gewesen, was lange währe, werde endlich gut. Im Gegenteil, wenn sich die Abgeordneten des Verteidigungs- und des Haushaltsausschusses, welche die „Rahmenvereinbarung Hubschrauber“ an diesem Mittwoch endlich abschließend billigen sollen, über die Verträge, Gutachten und Stellungnahmen beugen, dann können sie ein zwei Jahrzehnte währendes Vorhaben in all seinen Windungen, Verzögerungen und Verhakungen besichtigen, das trotzdem auch jetzt, zu seinem formellen Abschluss, noch keine reibungsfreie Zukunft verspricht.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die Rahmenvereinbarung regelt den Kauf von zwei(einhalb) Hubschraubertypen für die Bundeswehr. Der Kampfhubschrauber Tiger und der Transporthubschrauber NH90 wurden beide noch in der Endphase des Kalten Krieges konzipiert und im Verlauf ihrer Entwicklung und Erprobung unter Mühen und Verzögerungen immer wieder an neue Fähigkeitsszenarien der Bundeswehr angepasst. Vor eineinhalb Jahren kamen endlich die ersten Hubschrauber in Afghanistan zum Einsatz – ein Praxistest, der neue Schwierigkeiten nach sich zog:

          Beim Transporthubschrauber NH90 kam es zu Triebwerksschäden, die durch Verklemmen oder zu langes Drücken einer Feuerlöschtaste im Cockpit verursacht wurden. Die Bundeswehr registrierte insgesamt fünf solcher Triebwerkshavarien, 14 ähnliche Fälle traten nach Angaben des Herstellers Airbus an NH-90-Hubschraubern in anderen Armeen auf. Das Verteidigungsministerium berichtete jetzt, dass Airbus bis Mitte kommenden Jahres ein Betriebsmodul für die NH-90-Flotte entwickeln wolle, das den Start überhitzter Triebwerke verhindern soll. Bis dahin lautet die Anweisung an die Truppe unter anderem, die Schutzfolie über dem erwähnten Schalter im Cockpit zu entfernen, damit er sich nicht mehr verklemmen kann.

          34 Motoren für Kampfhubschrauber zu verkaufen

          Beim Kampfhubschrauber Tiger wiederum hatte die Bundeswehr für 16 Exemplare leistungsfähigere Triebwerke als Zusatzlieferung nachbestellt, damit die wendigen Hubschrauber, die einst für die Panzerbekämpfung in der Norddeutschen Tiefebene konzipiert waren, auch in hochgelegenen und heißen Gegenden – etwa in Afghanistan – voll einsatzfähig seien. Doch nach den Erfahrungen am Hindukusch dachte die Bundeswehr wieder um: Die gewöhnlichen Triebwerke erwiesen sich dort als durchaus praxistauglich, sodass sie nun auf die neuen Triebwerke, die wartungsintensiver sind und mehr Treibstoff brauchen, verzichten will. Jetzt versucht das Verteidigungsministerium, die 34 bestellten und nicht abgeholten Motoren den französischen Streitkräften zu verkaufen. Wie hoch der finanzielle Schaden wäre, wenn dies scheitert, ist noch offen.

          Das Triebwerksbeispiel ist typisch für die vielen Abbestellungen und Umplanungen, welche das Beschaffungsvorhaben seit vielen Jahren begleiten. In den Entwürfen der Rahmenvereinbarung, deren endgültiger Version die Abgeordneten der Regierungskoalition jetzt zustimmen sollen, sind aber auch die Stückzahlen und Preise der zu liefernden Hubschrauber mehrfach geändert worden. Zunächst hatte die Bundeswehr bei Airbus 120 Transporthubschrauber NH90 und 80 Kampfhubschrauber Tiger bestellt – in den Anfangszeiten der Tiger-Planung, Mitte der achtziger Jahre, war sogar mit mehr als 200 Exemplaren kalkuliert worden.

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