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RAF-Terroristin Becker : Auf halber Strecke

Keine Anhaltspunkte für eine Mittäterschaft

Damit gab die Angeklagte auch zu erkennen, weshalb ihre Anwälte zu dieser Erklärung geraten haben und welche Prozesstaktik sie verfolgen: Die beiden Strafverteidiger sind nämlich der Auffassung, dass sich eine mögliche Verurteilung ihrer Mandantin wegen Beihilfe zum Mord noch abwenden lässt. Je unglaubwürdiger die Aussagen Peter Jürgen Boocks gemacht werden können - er ist der wichtigste Zeuge der Anklage -, desto schwerer dürfte es dem Gericht fallen, die Angeklagte wegen Beihilfe zum Mord zu verurteilen. Für eine Mittäterschaft sehen die Verteidiger ohnehin keine Anhaltspunkte, und das Gericht hatte eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord schon einmal in Aussicht gestellt.

„Abmildern durch Weglassen“, könnte man die Strategie der Verteidiger nennen. Sie haben ihre Mandantin zu ziemlich definitiven Aussagen geraten, doch Belege für fast alle ihre Behauptungen lieferte die Angeklagte nicht. Frau Becker sagte, wo sie nicht war, nämlich in Karlsruhe, sie verschwieg aber, wo sie sich zum Tatzeitpunkt aufgehalten hat, geschweige denn, dass von ihr Zeugen für ihre Aussagen benannt wurden. „Sie sagt, sie habe das Treffen in Holland frühzeitig verlassen müssen, sie hört also dort auf, wo es interessant hätte werden können“, sagte Bundesanwalt Walter Hemberger. „Das ist nur der halbe Weg.“ Von der Angeklagten, die sich erst am Ende der Beweiswürdigung äußere, hätte er auch ein Wort zu ihren Fehlern erwartet.

Keine Antwort für Buback

Die Angeklagte habe weder gesagt, wer am Anschlag beteiligt gewesen sei, noch habe das Gericht erfahren, wer geschossen habe. „Die Mandantin weiß aus anderen Quellen, wer geschossen hat, sie hat es hier bewusst offen gelassen“, sagte Hemberger. Die Behauptung, Verena Becker habe vom Soziussitz eines Motorrads aus auf den Generalbundesanwalt geschossen, könne man nun allerdings endlich zu den Akten legen. Diese Hypothese hatte der Sohn des Generalbundesanwalts, der Chemiker Michael Buback, in einem Buch publizistisch und in dem Strafverfahren hartnäckig vertreten. Es ist nun die Aufgabe des Gerichts, mit weiteren Beweisanträgen die Aussagen der Angeklagten zu erschüttern. Mit den Plädoyers, die für Mai angekündigt waren, ist wohl frühestens im Juni zu rechnen.

Verena Becker sagte in der Verhandlung und hatte zuvor durch ihre Anwälte mitteilen lassen, dass sie keine Fragen zu ihrer Erklärung beantworten werde. Michael Buback stellte die Fragen, die ihn seit Jahren beschäftigen, dennoch, sozusagen auf Vorrat. „Uns geht es nur darum zu erfahren, wer die beiden Menschen auf dem Motorrad waren. Haben Sie Hinweise, wer die Karlsruher Täter waren“, fragte Buback. Er habe ja einen „ganz kleinen Funken Hoffnung“ gehabt, die „Buback-Geschichte“ könne endlich gelöst werden, aber Frau Becker sei hinter dieser Hoffnung „weit, weit zurückgeblieben“. Wie angekündigt, bekam Michael Buback keine Antwort. Frau Beckers Verteidiger klärten dem Chemieprofessor dann abermals über den Unterschied zwischen einem Strafprozess und einer Kommission zur historischen Wahrheitsfindung auf: „Diese Probleme können hier nicht gelöst werden, auch nicht, wenn die Angeklagte uns sagen würde, es täte ihr leid.“

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