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RAF-Terroristen Mohnhaupt und Klar : Schon bald auf freiem Fuß?

Mohnhaupt und Klar auf Fahndungsfotos Bild: AP

Sie waren führende Mitglieder der zweiten Generation der RAF. Ponto, Buback und Schleyer zählen zu ihren Opfern. 24 Jahre nach ihrer Festnahme könnte Brigitte Mohnhaupt schon bald auf Bewährung entlassen werden. Christian Klar hofft auf seine Begnadigung durch Bundespräsident Köhler.

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          Eine Vase für die Blumen der Besucher will der Hausherr holen. Doch der Mann im Cordanzug zieht eine Waffe. „Sie sind wohl wahnsinnig!“ herrscht ihn Jürgen Ponto an, biegt den Lauf zur Seite. Da zielt auch die Frau mit einer Pistole auf ihn. Fünf Schüsse treffen den Vorstandschef der Dresdner Bank. Die Täter fliehen, Ponto stirbt. Es ist ein sonniger Sommertag, der 30. Juli 1977. Die Rote Armee Fraktion (RAF) hat ihre „Offensive“ fortgesetzt. So sagen es die Terroristen. Die Wahrheit: Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar haben einen Menschen ermordet.

          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Wenige Wochen zuvor hatte die RAF Generalstaatsanwalt Siegfried Buback erschossen; einer der drei Beteiligten war Klar. Am 5. September 1977 entführt die RAF Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer. Nach sechs Wochen Qualen schießen ihm seine Mörder drei Kugeln in den Hinterkopf.

          Freiheit nach 24 Jahren?

          Mohnhaupt wird am 11. November 1982 bei Heusenstamm festgenommen. Fünf Tage danach ergreifen Beamte Klar im Sachsenwald bei Hamburg. Die fanatische Anführerin der zweiten RAF-Generation und der kalte Macher - sie stehen wie keine anderen für die blutige Anschlagsserie, die vor dreißig Jahren die Republik erschütterte. Beide erhielten die höchsten Strafen, die gegen RAF-Terroristen ausgesprochen wurden: Fünfmal lebenslänglich plus 15 Jahre. Diese Zeit könnte bald vorbei sein.

          Blutige „Offensive”: Tatort des Buback-Anschlags
          Blutige „Offensive”: Tatort des Buback-Anschlags : Bild: picture-alliance/ dpa

          Denn nach mehr als 24 Jahren hinter Gittern hat Brigitte Mohnhaupt nun gute Chancen auf eine Entlassung aus dem Gefängnis. In einer nichtöffentlichen Anhörung des Oberlandesgerichts (OLG) Stuttgart hat der Vertreter der Bundesanwaltschaft am Montag beantragt, die Strafe zur Bewährung auszusetzen. Anfang Februar wird das Gericht entscheiden, ob die heute 57 Jahre alte Frau, die im Frauengefängnis im bayerischen Aichach einsitzt, in die Freiheit auf Bewährung entlassen werden kann.

          Schon vor einem Jahr wurde sie wegen ihres Antrags auf Strafaussetzung gehört. Wegen der „besonderen Schwere der Schuld“ setzten die Richter die Mindestverbüßungsdauer auf 24 Jahre fest. Die laufen im März ab. Nun steht die Entscheidung an, ob Mohnhaupt für die Allgemeinheit noch gefährlich ist.

          Kinkels „Versöhnungsinitiative“

          Mehr als ein Jahrzehnt hatte die einstige Rädelsführerin noch im Gefängnis versucht, die RAF-Truppe gegen die „Verräter“ zusammenzuhalten. Als der damalige Justizminister Klaus Kinkel (FDP) sie besuchte, lehnte sie es ab, sich mit ihm an einen Tisch zu setzen. Doch Kinkels „Versöhnungsinitiative“ fruchtete bei den anderen Gefangenen - und verhinderte wohl die Entstehung einer vierten oder fünften Generation der RAF. 1998 löste sich die Terrorgruppe auf - 34 Menschen fielen ihr zum Opfer, 27 „Kämpfer“ hat sie selbst verloren.

          Dass Mohnhaupt einen Antrag auf Haftentlassung gestellt hat, zeigt, dass auch die Härteste von allen mittlerweile anders denkt. Das kriminalpsychologische Gutachten und die Bewertung der Justizvollzugsanstalt Aichach in Bayern verneinen ihre Gefährlichkeit. „Wer 24 Jahre gesessen und gebüßt hat, muss irgendwann eine Chance haben, in die Gesellschaft zurückzukehren“, sagt Kinkel heute.

          Gutachten liegt bisher nicht vor

          Ähnlich und doch wieder anders liegt der Fall bei Klar. Ähnlich, weil auch für ihn eine Mindestverbüßungsdauer festgesetzt wurde: 26 Jahre. Sie endet am 3. Januar 2009. Anders, weil der 54 Jahre alte Klar ein Gnadengesuch beim Bundespräsidenten eingereicht hat - vor vier Jahren, als das Staatsoberhaupt noch Johannes Rau hieß. Der ließ das Gesuch ruhen.

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