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RAF-Terrorist Christian Klar : Neun Morde, elf Mordversuche

Bild: F.A.Z.-Greser&Lenz

Siegfried Buback war eines von vielen Opfern: Die Liste der Verbrechen des früheren Terroristen erzählt die Geschichte der zweiten RAF-Generation.

          Als Peter-Jürgen Boock sich in diesen Tagen an Michael Buback wandte und ihm nach 30 Jahren des Schweigens seine Kenntnisse über die Ermordung Siegfried Bubacks mitteilte, erschien es dem Sohn des früheren Generalbundesanwalts „wie ein Wunder, dass die Not der Angehörigen aufgrund der unklaren Tatumstände“ endlich auch von Boock, dem früheren Komplizen Christian Klars, erkannt worden sei.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Der Mord vom Gründonnerstag 1977, mit dem die „Offensive 77“ der „Rote Armee Fraktion“ gegen die Bundesrepublik eröffnet wurde, war nur einer von mehreren des Terroristen Christian Klar. Wenn nun ungesicherte Erkenntnisse vorgebracht werden, Klar, dessen Gnadenersuchen Bundespräsident Köhler zurzeit prüft, habe seinerzeit nur das Fluchtauto gefahren, nicht aber die tödlichen Schüsse auf Siegfried Buback abgegeben, mindert dies die Schwere seiner Verbrechen nur geringfügig.

          Christian Klar wurde am 2. April 1985 gemeinsam mit Brigitte Mohnhaupt vom 5. Strafsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart wegen neunfachen Mordes und elffachen Mordversuches zu je fünfmal lebenslanger Freiheitsstrafe plus 15 Jahren Haft verurteilt - es war die höchste Strafe, die jemals in einem RAF-Prozess ausgesprochen wurde. 1992 kam es zu einem abermaligen Prozess gegen Klar, weil aus Sicht der Staatsanwaltschaft aufgrund von Aussagen anderer RAF-Terroristen diesem die Beteiligung an weiteren Anschlägen nachgewiesen werden konnte. Klar verbüßt immer noch eine lebenslange Gesamtfreiheitsstrafe. Die Liste seiner Verbrechen erzählt die Geschichte der zweiten Generation der RAF:

          DAS ATTENTAT AUF BUBACK

          Der heute 54 Jahre alte, gebürtige Freiburger wurde „wegen mittäterschaftlicher Ermordung“ Bubacks, dessen Fahrer Wolfgang Göbel und des Begleitbeamten Georg Wurster“ verurteilt. In der Urteilsbegründung hieß es: „Vom Angeklagten Klar steht fest, dass er entweder Lenker oder Soziusfahrer des Motorrads war oder mit dem Alfa Romeo wartete.“ Tatbeteiligte waren neben Klar unter anderen Knut Folkerts, Brigitte Mohnhaupt und Günter Sonnenberg. Am Tatort sollen nach Auffassung der Richter Klar, Sonnenberg und Folkerts gewesen sein. Nach Aussage Boocks und angeblich anderer früherer RAF-Mitglieder waren es indes Klar, Sonnenberg und Stefan Wisniewski.

          DER MORD AN PONTO

          Klar wurde zudem wegen „mittäterschaftlicher Beteiligung an Beschlussfassung, Planung und Vorbereitung der versuchten erpresserischen Geiselnahme und Ermordung“ des Vorstandsvorsitzenden der Dresdner Bank Jürgen Ponto am 30. Juli 1977 bestraft. In dem Urteil wurde festgehalten, dass Klar zwar nicht zu den die Tat unmittelbar Ausführenden gehörte, die Tötung Pontos aber für den Fall mit ihm abgesprochen war, dass dieser sich widersetze. Nach Auffassung der Richter waren neben Klar Susanne Albrecht, Brigitte Mohnhaupt, Sieglinde Hofmann und Boock an der Tat beteiligt.

          DIE SCHLEYER-ENTFÜHRUNG

          Das Urteil gegen Klar umfasst auch die „mittäterschaftliche Beteiligung an Beschlussfassung, Planung und Vorbereitung“ der Entführung und Ermordung im Fall des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer am 5. September 1977. Bei der Entführung in Köln wurden Schleyers Fahrer Heinz Marcisz und die Begleitbeamten Reinhold Brändle, Helmut Ulmer und Roland Pieler erschossen. Die Richter fügten ihrem Urteil zwar an, Klar habe nicht zu den unmittelbar Ausführenden der Entführung und der Ermordung gehört, habe aber gewusst und gebilligt, dass Fahrer und Personenschützer getötet werden sollten, um Schleyer als Geisel zu nehmen.

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