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Aufdringliche Impfgegner : Mit dem Megafon vor das Altenheim

„Bis die Regierung den Lockdown beendet“: Jeden Abend demonstrieren Kritiker der Corona-Politik auf dem Rathausplatz in Schwäbisch-Gmünd. Bild: Rüdiger Soldt

In Schwäbisch-Gmünd demonstrieren Gegner der Corona-Politik vor Alten- und Pflegeheimen – um die Bewohner von Impfungen abzuhalten. Soll die Stadt die Propaganda verbieten?

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          Im streng katholischen Schwäbisch Gmünd steht der Weihnachtsbaum noch auf dem Rathausplatz. Jeden Abend versammeln sich dort – auch bei Minusgraden – etwa hundert Kritiker der Corona-Politik zum Demonstrieren. „Wir sind keine Rechten, wir sind auch nicht mit der RAF zu vergleichen, was ja Herr Söder glaubt“, ruft einer herüber. Eine Demonstrantin hält eine Fahne mit der Aufschrift „Love wins“ in die Höhe, auf einem Plakat steht: „Sei ein guter Sklave, hör auf deinen Fernseher.“

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Während der Organisator der Querdenker-Bewegung aus Stuttgart, Michael Ballweg, vorerst nicht mehr zu Demonstrationen aufruft, wollen die besonders hartleibigen Corona-Leugner in der schwäbischen Stadt mit 61.000 Einwohnern so lange demonstrieren, bis die Bundesregierung den Lockdown beendet. Demo-Organisator Stefan Schmidt, Wirt eines kleinen Restaurants am idyllischen Leinecksee, bestreitet die Kundgebung vor dem Rathaus als Redner größtenteils allein. Schmidts politisches Programm ist bizarr: Barack Obama sei ein Kriegstreiber gewesen und Donald Trump nur das geringere Übel. Artikel der Regionalzeitung über die Corona-Pandemie vergleicht er mit Nazi-Propaganda. „Das ist gar keine Pandemie, es gibt keine Übersterblichkeit, eine Überbelegung in den Krankenhäusern gibt es nicht. Wir sind hier die einzige Gruppe in Deutschland, die jeden Tag noch demonstriert“, sagt Schmidt, der aus einem sozialdemokratischen Elternhaus von der Ostalb stammt. „Kürzlich haben wir eine Aktion auf einer Skipiste gemacht, wo die Polizei Kinder vom Rodeln abgehalten hat. Die sollen doch eigentlich Verbrecher fangen! Wir werden uns immer wieder neue Aktionen ausdenken.“

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