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Regenbogen über London: Ein trauriger Tag für Großbritannien, ein nicht ganz so trauriger Tag für die LGBTQ-Communitiy Bild: AFP

Fraktur : Das kann ja heiter werden

Es ist nicht gut bestellt um uns und die Welt - und jetzt ist auch noch die Queen gestorben. Was tun?

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          In Nachbarschaft zu dieser Kolumne stehen meist sehr ernste Dinge. Texte über Corona, kalte Progression, kalte Duschen. Nun ist auch noch Königin Elisabeth II. gestorben. Als sie Liz Truss zur neuen Premierministerin ernannte, soll sie, mit John Cleese, gesagt haben: „Last time to see me before I die.“ Da bleibt einem doch das Lachen im Halse stecken. Kann man da ernsthaft eine Fraktur bringen, die bei allem Faible für schwarzen britischen Humor doch vor allem eines will: ein bisschen Heiterkeit in Ihre tristen Tage bringen?

          Angela Merkel, die deutsche Queen

          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.

          Wenn es nach Angela Merkel geht, der abgetretenen deutschen Queen, dann auf jeden Fall. Mit „Fröhlichkeit im Herzen“ sollten wir ans Werk gehen, gab sie uns als Vermächtnis mit. Ihr Nachfolger scheint sich das zu Herzen genommen zu haben. Während Robert Habeck Anfang der Woche mit einer Miene, als stehe er kurz vor der politischen Insolvenz, seine sogenannte Entscheidung zur Atomkraft verkündete und Annalena Baerbock Volksaufstände fürchtet, sagt Olaf Scholz, er halte nichts von Kassandra-Rufen. Die anderen mögen aufgeregt sein – er hat alles im Griff auf dem sinkenden Schiff. Den Gesichtsausdruck, den er dabei macht, hat Markus Söder mal als „schlumpfiges Grinsen“ bezeichnet. Aber macht es der bayerische Ministerpräsident denn anders?

          Er selbst sagt zwar, in Deutschland „brennt die Hütte“ – und doch veranstaltet er selbst Hüttenzauber. Am Montag beim Volksfest Gillamoos war er damit in bester Gesellschaft, oder jedenfalls in Gesellschaft. Sein Vize Hubert Aiwanger holte zum Beweis seiner kabarettistischen Vernunft einen Winnetou-Darsteller auf die Bühne, FDP-Chef Martin Hagen nannte Karl Lauterbach das „Ein-Mann-Panikorchester“ der SPD. Als ob wir keine anderen Sorgen hätten. Kurz nach dem Gillamoos und kurz vor der nächsten Volksfestgaudi war Söder bei der Gedenkveranstaltung zum Anschlag auf die israelische Mannschaft bei Olympia 1972. Das waren just die Spiele, mit denen die Deutschen sich von ihrer heiteren Seite zeigen wollen. Ergebnis ist bekannt.

          Greta Thunberg wollte, dass wir panisch werden

          Heiterkeit und bitterer Ernst liegen oft nahe beieinander. Als die Queen gestorben war, erschien ein Regenbogen über London – angeblich sehr zur Freude der LGBTQ-Community. So ist das Leben. Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch, und hinter jedem Lachen lauert die Katastrophe. Nicht umsonst sagt der Volksmund: Das kann ja heiter werden! Doch wie verhindert man die Katastrophe? Zwei Strategien gibt es: Panik und heitere Gelassenheit. „I want you to panic“, schmetterte Greta Thunberg auf dem Weltwirtschaftsforum 2019 in Davos den Mächtigen entgegen. Grund dazu gäbe es allemal. Es könnte trotzdem kontraproduktiv sein. Unter Druck, heißt es zwar, entstünden Diamanten. Vielleicht sollte man aber auch mal die Ukrainer fragen, die jetzt in Saporischschja das Atomkraftwerk beaufsichtigen, wie das mit dem unter Druck arbeiten so ist.

          Gerhard Polt hat nach der Annexion der Krim durch die Russen angeregt, man solle es im Umgang mit Putin mal mit Lockerheit und Humor probieren. Schon Luther hatte ja gesagt: „Aus einem verzagten Arsch fährt kein fröhlicher Furz.“ Bisher ist man da mit Vater Frost noch nicht recht weitergekommen. Und beim Klimawandel? „Ein bisschen Spaß muss ein“, sang Roberto Blanco, „dann ist die Welt voll Sonnenschein“. Den brauchen wir nun gerade nicht, sondern Sieben-Tage-Regenwetter, wie früher in Großbritannien.

          Wahrscheinlich sind diese Überlegungen aber sowieso müßig, weil die Welt und vor allem wir gar nicht mehr zu retten sind. Wie sagte Panikpapst Lauterbach in der Philosophie-Zeitschrift „Hohe Luft“ mit Bezug auf den Physiker Fermi: „Wenn eine bestimmte Komplexität erreicht ist, dann steigt das Potenzial zur Zerstörung sehr viel schneller als das Potenzial der Erneuerung.“ Dann doch lieber die letzten Jahre auf der Erde noch in vollen Zügen genießen. So wie die Kapelle auf der Titanic, dem einstigen Stolz Britanniens. Das ist nicht witzig an so einem Tag? Prinz Philip würde sicher schmunzeln. Er weiß ja nun auch, dass stimmt, was das wirkliche Panikorchester singt: Hinterm Horizont geht’s weiter. Oder wie es 1972 hieß: The games must go on.

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