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Rede im Bundestag : Wie Putin vor zwanzig Jahren alle um den Finger wickelte

Der russische Präsident Wladimir Putin redet am Dienstag, den 25.09.2001, während einer Sondersitzung des Deutschen Bundestages. Bild: Picture Alliance

Im Jahr 2001 sprach der russische Präsident im Bundestag. Bis heute gilt die Rede als Ausweis verpasster Chancen, als Beleg dafür, dass alles anders hätte kommen können. Stimmt das?

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          Zwei Wochen nach den Terroranschlägen in den Vereinigten Staaten vom 11. September 2001 trat Wladimir Putin ans Rednerpult des Deutschen Bundestags. Er war damals Ende 40, in seiner ersten Amtszeit. Die Rede, die Russlands Präsident hielt, im Wesentlichen auf Deutsch und mit zahlreichen Referenzen an deutsch-russische Gemeinsamkeiten, ist in Deutschland bis heute beliebt. Wer Aufnahmen davon auf Youtube schaut, sieht Putin im für heutigen Geschmack etwas weiten Sakko vor den seinerzeit führenden deutschen Politikern. Und wer auf die Kommentare unter dem Video schaut, liest viel von ausgestreckten Händen und ausgeschlagenen Angeboten. Viele, die über den düsteren Stand der Beziehungen zwischen Berlin und Moskau klagen, stellen Putins Rede als verpasste Chance dar. Als hätte alles anders kommen können.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.
          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Putin, der sein Deutsch in den Jahren als KGB-Agent im Einsatz in Dresden verbessern konnte, sagte damals, Russland habe die Freiheit gewählt. Niemand bezweifle den Wert von Europas Beziehungen zu den Vereinigten Staaten, doch „bin ich einfach der Meinung“, Europa könne nur dann ein mächtiger und selbständiger Mittelpunkt der Weltpolitik werden, wenn „sie ihre“ (so Putin in charmanter, aus dem Russischen entnommener Feminisierung des Kontinents) Möglichkeiten mit Russlands Potential vereinige.

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