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„Pulse of Europe“ : Sie gehen für Europa auf die Straße

  • -Aktualisiert am

Kundgebung auf dem Goetheplatz in Frankfurt: Anhänger der europafreundlichen Bewegung „Pulse of Europe“ Bild: dpa

Patriotische Europäer gegen dies, patriotische Europäer gegen das. Gibt es auch Europäer, die für irgendwas sind? Zum Beispiel für Europa? Ja. Sie gehen sogar auf die Straße. Was sind das für Leute?

          Am vergangenen Sonntag haben sechshundert Menschen in der Frankfurter Innenstadt demonstriert. So beginnen langweilige Zeitungsartikel; weil ja jeder weiß, wie es dann weitergeht: Leute wollen irgendetwas nicht und machen ihrem Ärger Luft. Aber an der Frankfurter Kundgebung waren zwei Dinge anders als sonst. Erstens, dass die Menschen, die da im Nieselregen standen, nur zeigen wollten, dass sie etwas gut finden, was es sowieso schon gibt. Und zweitens, dass das dann auch noch das Abstrakteste ist, was man sich vorstellen kann, nämlich die Europäische Union. Dafür auf die Straße zu gehen wirkt im Jahr 2017 erst mal so seltsam, wie sich „I love Aktenordner“ auf den Oberarm zu tätowieren.

          Die Leute sahen allerdings ganz normal aus, „Tatort“-Publikum in Jeans und warmen Jacken. Manche tranken Kaffee aus Pappbechern, manche hatten ihre Kinder mitgebracht, es war früh am Nachmittag, beste Familienzeit. Ein hellblondes Mädchen verteilte Armbänder aus Gummi; ohne Aufdruck, einfach blau. Wer wollte, konnte sich eine kleine Europaflagge aus Papier von einem Tisch nehmen; das hatten ein paar Dutzend Leute getan. Andere hielten blaue Luftballons. Alle guckten in Richtung eines Lastwagens, dessen Seitenwand runtergeklappt worden war; das Innere diente jetzt als Bühne. Am Rand stand ein Mann, mittelalt, mittelgroß, mit dunkler Jacke, dunkler Hose und dunklem Schal, und war umringt von Leuten, die auffälliger waren als er. Weil sie teurere Mäntel trugen, lauter sprachen oder was Wichtiges in der Hand hielten, Listen, Klemmbretter, Handys.

          Der Mann, um den sich alle drehten, war Daniel Röder, 44, Anwalt aus Frankfurt. Er hatte im November zur ersten Kundgebung für Europa eingeladen. Eine komische Idee für jemanden, der sonst nicht auf Demos geht. Er hatte ja keine Facebook-Gruppe, keine Telefonliste, keinen Verein, keine Partei oder sonst eine Struktur, die dafür geeignet gewesen wäre, routiniert eine Versammlung zu planen. Also verfasste Daniel Röder eine E-Mail an seine Freunde und Bekannten. „An der rasanten Radikalisierung des politischen Lebens wirkt vieles bedrohlich“, schrieb er. Es war erst ein paar Tage her, dass Donald Trump zum Präsidenten von Amerika gewählt worden war. Daniel Röder und seine Frau Sabine, ebenfalls Juristin, hatten das als Schock empfunden; der nächste nach dem Brexit-Schock. Ihnen wurde angst beim Gedanken an die kommenden Wahlen: im März in den Niederlanden, im April in Frankreich, im September in Deutschland. „Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass es auch danach noch ein vereintes, demokratisches Europa gibt“, schrieb Röder. Er schlug vor, erst mal eine Testkundgebung zu machen, und wenn da genug Leute kämen, ab Januar richtig loszulegen. Nicht nur in Frankfurt, auch in Frankreich und Holland. Röder schloss seine E-Mail: „Wir sind nicht gegen etwas, sondern für etwas. Es ist nicht die Zeit der Proteste. Es ist Zeit, für die Grundlagen unserer Wertegemeinschaft im positiven Sinne einzustehen.“

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