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Prozess in Hannover : Glaeseker: Christian Wulff war ein „totaler Kontrollfreak“

  • -Aktualisiert am

Olaf Glaeseker betritt den Gerichtsaal in Hannover Bild: dpa

Der frühere Sprecher von Christian Wulff, Olaf Glaeseker, hat vor Gericht alle Korruptionsvorwürfe gegen ihn bestritten - und seinem früheren Chef widersprochen: Alle Vorgänge in der Pressestelle hätten mit Wulffs Wissen stattgefunden.

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          Der frühere niedersächsische Regierungssprecher Olaf Glaeseker hat am Montag zu Beginn des Strafprozesses gegen ihn Vorwürfe, er sei bestechlich gewesen, zurückgewiesen. Seine Einlassung vor Gericht widerspricht den Aussagen seines früheren Chefs in der niedersächsischen Staatskanzlei und im Bundespräsidialamt, Christian Wulff, der behauptet hatte, dass er von vielen Vorgängen nichts gewusst habe. Dabei ging es um die Einwerbung von Sponsorengeldern für drei Veranstaltungen des Landes Niedersachsen – den Nord-Süd-Dialogen – sowie um private Urlaube Glaesekers bei deren Veranstalter, dem mitangeklagten Manfred Schmidt. Glaeseker sagte, es habe von ihm nie Alleingänge gegeben.

          Alle Vorgänge in der Pressestelle hätten „mit Wissen von Herrn Wulff stattgefunden, allein schon weil er immer alles wissen wollte und eh von Natur aus ein – salopp ausgedrückt – ,totaler Kontrollfreak’ war.“ Glaeseker sagte, er habe meist „blind“ gewusst, was Wulff wollte. Auch soweit es beim Einwerben der Spenden keine direkten Aufträge gegeben habe, sei Wulff als Ministerpräsiden stets im Bilde gewesen. Er habe sich immer im Sinne seines Dienstherrn engagiert, sagte Glaeseker. Alleingänge habe es „niemals“ gegeben. Wulff, gegen den derzeit beim Landgericht Hannover ebenfalls ein Strafverfahren wegen Vorteilsannahme läuft, wird wohl Anfang Februar als Zeuge im Prozess gegen Glaeseker und Schmidt gehört. Bei Vernehmungen der Ermittler soll Wulff auf Distanz zu Glaeseker gegangen sein und sich auf unzureichendes Wissen berufen haben.

          Glaeseker brachte am Montag vor Gericht mehrere öffentlich bekundete Zitate Wulffs in Erinnerung: Der Ministerpräsident und spätere Bundespräsident habe seinen engsten Berater und Sprecher als „siamesischen Zwilling“, als „Faktotum“ sowie als „Alter Ego“ bezeichnet und gesagt: „Wenn Sie Herrn Glaeseker nicht mehr in meiner Nähe sehen, müssen Sie sich Sorgen um mich machen.“ Wenige Wochen, nachdem Wulff Ende 2011 Glaeseker ohne nähere Begründung als sein Sprecher in Berlin entließ, trat auch Wulff vom Amt des Bundespräsidenten zurück.

          Zur Beantwortung der wesentlichen Frage des Prozesses, ob Schmidt Glaeseker bestochen habe, wird die Große Strafkammer unter der Richterin Renata Bürgel bis zunächst April nächsten Jahres vor allem zwei Sachverhalten zu klären haben: Die Beziehung zwischen Glaeseker, Schmidt und Wulff einerseits sowie die Arbeitsweise Glaesekers andererseits.

          Der mitangeklagte Partymanager Manfred Schmidt

          Schmidt sagte am Montag, Glaeseker und dessen Frau seien seine besten Freunde. Es sei für ihn „undenkbar“, dass Wulff – den er seit den frühen neunziger Jahren kennt – nicht von den Urlaubsbesuchen gewusst habe. Diese wechselseitigen Einladungen habe es schon lange vor den Nord-Süd-Dialogen gegeben. Der Veranstaltungsmanager Schmidt sagte – wie zuvor schon der mit Wulff mitangeklagte Filmproduzent David Groenewold –, durch das Ermittlungsverfahren und die breite Berichterstattung sei seine berufliche Existenz ruiniert.

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