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Prozess in Düsseldorf : „Kofferbomber“ legt Geständnis ab

  • -Aktualisiert am

El H. hat zugegeben, die Gasflaschen zu Bomben umgebaut und in einen Zug gebracht zu haben Bild: dpa

Im Prozess um die versuchten Bombenanschläge auf Regionalzüge im Jahr 2006, hat der angeklagte Youssef el H. ein Geständnis abgelegt. Der „Kofferbomber“ hat seinen Komplizen Jihad Hamad schwer belastet. Er soll die treibende Kraft gewesen sein.

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          Der Libanese Youssef el H., der sich vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht wegen des Vorwurfs, im Sommer 2006 zwei Kofferbomben in Regionalzügen deponiert zu haben, verantworten muss, hat am Donnerstag seinen Komplizen Jihad Hamad schwer belastet. Hamad, der im Libanon zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden ist, sei die treibende Kraft gewesen, sagte el H. am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht. Der 23 Jahre alte Angeklagte gab jedoch zu, die Gasflaschen zu Bomben umgebaut und in einen Zug gebracht zu haben. Allerdings habe er absichtlich die Bauanleitung nicht bis zu Ende ausgeführt und somit die Explosion verhindert. Die Ermittler hatten festgestellt, dass das Gasgemisch „zu fett“ gewesen war und deshalb nicht explodieren konnte.

          Vor seinem ausführlichen Geständnis, das wegen der Übersetzung aus dem Arabischen mehrere Stunden dauerte und 36 handgeschriebene Seiten umfasste, sagte el H., er sei froh darüber, dass „wir es verhindert haben, dass unschuldige Menschen getötet wurden“. Er bedauerte, dass er überhaupt diesen Weg gegangen sei. Ausführlich legte er dar, wie er, der damals in Kiel am schleswig-holsteinischen Studienkolleg in Kiel studiert hatte, in Kontakt zu Hamad gekommen sei. Er schilderte die erste Begegnung, sein Leben in Kiel und auch seine politische Haltung, nach der die Hamas keine terroristische Organisation sei. Jeder Mensch lebe in einer bestimmten Umgebung, die entscheide wer Freund und wer Feind sei, sagte er. Auch verschwieg er seine Bewunderung für den irakischen Terroristen Al Zarqawi nicht.

          „Mein Herz fühlte sich nicht wohl bei dieser Sache“

          Die Idee zum Bombenbau habe Jihad Hamad nach dem Karikaturenstreit aufgebracht, sagte el H. Man müsse etwas tun, habe Hamad damals gefordert und ihn ausgelacht, als er eine friedliche Demonstration und das Verteilen von Flugblättern vorgeschlagen habe. Damals habe Hamad auch zum ersten Mal von einer religiösen Pflicht gesprochen, Zivilisten zu töten, wenn der Prophet beleidigt werde. „Die Sache“ sollte von Anfang an in Köln stattfinden, weil dort viele Menschen lebten und man nicht auffalle. „Mein Herz fühlte sich nicht wohl bei dieser Sache“, sagte el H. Um Zeit zu gewinnen, habe er vorgeschlagen, erst einmal seine Prüfung am Studienkolleg abzulegen.

          Hamad habe jedoch häufig angerufen und auf eine Antwort gedrängt. Bei einem Besuch in Köln habe er dann gesehen, dass Hamad etliche Internetseiten von Dschihadisten auf seinem Computer geladen hatten, unter anderem auch Bauanleitungen für einen Sprengsatz aus Gasflaschen. Der Angeklagte sollte die technische Seite des Vorhabens verwirklichen. Bei der Gerichtsverhandlung im Libanon hatte Hamad behauptet, von el H. angestiftet und geradezu einer Gehirnwäsche unterzogen worden zu sein. El H. wurde dort in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt, während Hamad zwölf Jahre Haft bekommen hat.

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