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Prozess gegen Wulff : Freibier, von wem auch immer

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Vertraute Prominenz: Der damalige Bundespräsident Christian Wulff am 26. Juni 2011 auf der Ehrentribüne bei einem Spiel der Frauenfußball-WM im Berliner Olympiastadion Bild: dpa

Im Prozess wegen Vorteilsannahme gegen Christian Wulff haben der Verleger Hubert Burda und dessen Ehefrau Maria Furtwängler den früheren Bundespräsidenten mit ihren Zeugenaussagen womöglich entlastet.

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          Am Ende ihrer Vernehmung fragt die Schauspielerin Maria Furtwängler, was „beim besten Willen“ ihre Aussage – fünfzehn Minuten dauerte sie – zur Wahrheitsfindung habe beitragen können. Solche Fragen stellen nur selbstbewusste Zeugen. Der Richter antwortete, das werde sie im Urteil sehen.

          Furtwängler sollte aussagen zu dem Vorwurf, der frühere Bundespräsident Christian Wulff habe sich einen Vorteil gewähren lassen durch die Einladung zum Oktoberfest im September 2008, die im Mittelpunkt des ersten Prozesses der deutschen Rechtsgeschichte gegen einen früheren Bundespräsidenten geht. Maria Furtwängler-Burda und ihr Mann, der Verleger Hubert Burda, sind am Donnerstag im Landgericht Hannover dem Abend auf den Wiesn befragt – indes nur von den Richtern und von den Verteidigern. Der Oberstaatsanwalt, der beide als Zeugen der Anklage benannt hatte, stellte ihnen (wie auch bei den meisten Vernehmungen zuvor) keine einzige Frage.

          In der Befragung ging es um Abläufe in Oktoberfestzelten und den Umgang zwischen Verlegern und Politikern. Juristisch wichtig mag das sein für die Frage, ob der damalige niedersächsische Ministerpräsident Wulff an jenem Tag einen dienstlichen Termin gehabt hatte, der es rechtfertigte, die Übernachtung von der Staatskanzlei bezahlen zu lassen. Kontakt hatten der Verleger Burda und der Ministerpräsident an jenem Tag zweimal – telefonisch, als Wulff das geplante Gespräch im Hotel absagte (wobei sie sich über medienpolitische Einschätzungen austauschten), und dann im Käfer-Festzelt.

          Nord- und süddeutsche Befindlichkeiten

          Burda reichten dann die „vier, fünf Sätze“ – er spürte, dass Wulff und er einer Meinung seien zum Thema, das Burda als Präsident des Zeitschriftenverlegerverbandes damals umtrieb, dem Widerstand gegen „elektronische Tageszeitungen“, die öffentlich-rechtliche Sender im Rundfunkstaatsvertrag anstrebten. Wulff habe, das spürte er gleich, die Sorgen der Verleger „kapiert“, sagte Burda.

          In drei Punkten stimmten Burda und seine Ehefrau überein: Sie, vor allem Burda, betraten den Gerichtssaal, als hätten sie das noch nie erlebt. Der Verleger begrüßte freundlich die Zuhörer mit Kopfnicken. Beide hatten an das aus ihrer Sicht eher beiläufige Ereignis vor gut fünf Jahren nur noch vage Erinnerungen. Und sie sagten beide, ein Besuch des Oktoberfestes bereite ihnen keine Freude. Das sei für ihn, so Burda, mit zunehmendem Alter „nicht so spannend“. Furtwängler bezeichnet das Oktoberfest als „voll und stickig“.
          Mehrfach geht es um nord- und süddeutsche Befindlichkeiten – Wulff lächelt derweil immer wieder in sich hinein. Wer an dem Abend eigentlich der Gastgeber im Zelt war – es war der mitangeklagte Filmproduzent David Groenewold –, wusste keiner der beiden Zeugen. Burda vermutete, das sei Wulff, Furtwängler dachte, es sei ihr Mann. Denn der zahle meistens. Auch am Donnerstag waren im Saal des Landgerichts Hannover trotz der prominenten Zeugen wieder viele Plätze frei.

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