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Prozess gegen G-20-Gegner : Große Anspannung im Gerichtsaal

Prozessauftakt in Hamburg: Vier Deutsche und ein Franzose stehen wegen der Ausschreitungen beim G-20-Gipfel 2017 vor Gericht. Bild: Reuters

In Hamburg hat der Prozess gegen fünf G-20-Gegner mit Applaus begonnen. Den beschuldigten Gymnasiasten und Studenten aus dem Raum Offenbach drohen hohe Strafen – obwohl sie nicht direkt an den Ausschreitungen beteiligt waren.

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          Als die Angeklagten in den Gerichtssaal kommen, bricht Jubel aus. Im Zuhörerraum springen ihre Angehörigen auf und ihre Unterstützer. Sie klatschen und pfeifen und rufen einen Namen im Chor. Die Angeklagten lächeln durch die Plexiglasscheibe, einer hebt die Faust in die Luft, und erst als sie sich schließlich alle neben ihre Anwälte gesetzt haben, kehrt langsam wieder Ruhe ein. Die Richterin hat das Wort.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Vor dem Landesgericht der Hansestadt hat am Dienstag der wohl größte Prozess zu den Krawallen beim G-20-Gipfel begonnen, er ist auch der umstrittenste. Es geht um die Ausschreitungen in der Elbchaussee in Altona, angeklagt sind vier Männer zwischen 18 und 24 Jahren aus dem Raum Offenbach, zwei Gymnasiasten und zwei Studenten, und ein 23 Jahre alter Franzose.

          Ihnen wird Landfriedensbruch in einem besonders schweren Fall vorgeworfen, sie sollen auch bei Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung und Verstößen gegen das Waffengesetz der Mittäterschaft schuldig sein. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft.

          Eine Millionen Euro Schaden in 19 Minuten

          Mehr als 16 Monate ist es nun schon her, dass die Randale rund um den G-20-Gipfel die Hansestadt erschüttert haben. Trotzdem ist die Aufarbeitung noch lange nicht am Ende. Kaum ein Ereignis dieser Tage hat dabei so tiefe Spuren hinterlassen, wie die Ausschreitungen auf der Elbchaussee, kaum eines hat die Ermittlungsbehörden in den vergangenen Monaten so sehr beschäftigt. Sie brauchten lange, bis sie erste Erfolge vermelden konnten. Die fünf Angeklagten wurden durch einen Abgleich von Videoaufnahmen des Aufmarsches mit anderen Bildern der Gipfeltage identifiziert. Auffälligkeiten wie eine kurze Hose oder ein besonderer Rucksack entlarvten sie. Am 27. Juni wurden die vier deutschen Beschuldigten festgenommen, am 17. August der Franzose in Laux. Ihr Prozess ist der erste zur Elbchaussee. Der Ausgang ist völlig ungewiss.

          Die Krawalle begannen früh am Morgen des Gipfelfreitags. Die Gipfelgegener zogen unauffällig los, alleine oder als Paare durch die leeren Straßen. In einem Park nicht weit der Elbe trafen sie sich, und zogen sich um, ihre Ausrüstung soll zum Teil dort deponiert gewesen sein. Gegen 7.20 Uhr traten sie schließlich fast geschlossen in schwarz gekleidet und bewaffnet mit Pyrotechnik und Molotowcocktails auf die Elbchaussee, versammelt hinter einem Banner. Es waren etwa 220.

          Ein erster Brandsatz wurde gezündet, dunkler Rauch stieg auf. Dann wütete der Mob, zündete Autos an, schlug Scheiben ein und verängstigte Anwohner. So hatten es die Sicherheitsbehörden bereits im Sonderausschuss der Hamburger Bürgerschaft zu den Krawallen ausführlich geschildert. Nach 19 Minuten war alles vorbei, erst später kam die Polizei.

          Bevor der Staatsanwalt am Dienstag die Anklage zu verlesen beginnt, fragt er die Richterin, ob er nicht sitzen bleiben könne in Anbetracht der Länge seiner Ausführungen. Sie verneint und so trägt er gut eine halbe Stunde lang stehend detailliert vor, welcher Schaden entstanden ist. Posten für Posten, jedes einzelne abgebrannte Auto, jede einzelne eingeschlagene Scheibe und jedes einzelne Graffiti. Etwa eine Millionen Euro Schaden waren es zusammen.

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