https://www.faz.net/-gpf-7keyo

Prozess gegen früheren Wulff-Sprecher : Glaeseker berichtet von „verstörender“ SMS

  • Aktualisiert am

Olaf Glaeseker muss sich wegen Bestechlichkeit vor Gericht verantworten Bild: dpa

Im Prozess gegen den früheren Wulff-Sprecher Olaf Glaeseker wird der Bruch zwischen den beiden langjährigen Vertrauten immer deutlicher. Am zweiten Prozesstag zeigte sich Glaeseker tief enttäuscht vom ehemaligen Bundespräsidenten.

          Der wegen Bestechlichkeit angeklagte frühere Sprecher von Christian Wulff hat sich tief enttäuscht von seinem langjährigen Vorgesetzten gezeigt. Olaf Glaeseker war Sprecher Wulffs sowohl in dessen Amtszeit als Ministerpräsident Niedersachsen als auch später in der kurzen Episode Wulffs als Bundespräsident. Glaeseker sagte am zweiten Prozesstag im Landgericht Hannover mehrfach, dass Wulff von seiner langjährigen Freundschaft zum Eventmanager Manfred Schmidt gewusst habe. Es sei für ihn sehr „verstörend“ gewesen, dass Wulff dies nicht habe bestätigen wollen. Glaeseker soll Schmidt gegen Gratis-Flüge und -Urlaubsreisen bei der Sponsorensuche geholfen haben.

          In einer SMS vom 4. Januar 2012, die Oberstaatsanwalt Clemens Eimterbäumer am Freitag im Prozess verlas, hatte der damalige Bundespräsident seinem kurz zuvor entlassenen Sprecher geschrieben: „Es nützt dir nichts, wenn ich davon weiß, aber es schadet mir massiv, ich steh hier unter Druck...“ Ein von Wulff in der SMS angebotenes späteres Gespräch habe es nie gegeben.

          Glaeseker wundert sich über Wulffs Reaktion

          Glaeseker steht seit Montag vor Gericht, weil er dem mitangeklagten Partyveranstalter Schmidt zwischen 2007 und 2009 bei der Sponsorensuche für die Promi-Sause Nord-Süd-Dialog geholfen haben soll. „Ich habe es gemacht, weil ich wusste, dass die Veranstaltung im Landesinteresse gewesen war“, sagte Glaeseker. Auch der damalige Ministerpräsident Wulff habe einzelne Sponsoren angesprochen. Im Gegenzug soll Schmidt Glaeseker zwischen 2007 und 2009 Flüge und Gratis-Urlaube in seinen Häusern in Spanien und Frankreich spendiert haben. Aus Sicht der beiden befreundeten Angeklagten handelte es sich dabei aber nicht um Bestechung, vielmehr seien die Urlaube Teil ihrer engen persönlichen Beziehung gewesen.

          Bei mehreren Aufenthalten in Schmidts Finca waren auch Wulffs erste Ehefrau Christiane und die gemeinsame Tochter Annalena dabei. „Hier ging es in erster Linie um die Unterstützung von Christiane und Annalena im Jahr nach der Ehekrise“, sagte der frühere Sprecher.

          Oberstaatsanwalt Eimterbäumer verlas noch weitere Auszüge aus den SMS des damaligen Bundespräsidenten an Glaeseker zu den Urlauben. „Und ich bin davon ausgegangen, dass du bezahlst“, schrieb Wulff darin. Glaeseker sagte, diese Reaktion sei ihm unverständlich gewesen. „Ich habe Christian Wulff immer so kennengelernt: Wenn er Freunde besucht, dass er bei denen nicht bezahlt.“

          Der frühere Bundespräsident muss sich selbst wegen Vorteilsannahme derzeit in Hannover vor Gericht verantworten. Für Februar ist seine Vernehmung als Zeuge im Glaeseker-Prozess vorgesehen.

          Weitere Themen

          Neues Referendum bei No-Deal-Brexit Video-Seite öffnen

          Schottland droht : Neues Referendum bei No-Deal-Brexit

          Schottland hat für den Fall eines No-Deal-Brexits ein Unabhängigkeitsreferendum angekündigt. „Wir sollten dies dann 2020 ins Auge fassen“, sagte Sturgeon am Mittwoch bei einem Besuch in Berlin.

          Der Unbekannte

          John Boltons Nachfolger : Der Unbekannte

          Donald Trump hat Robert O’Brien als Nationalen Sicherheitsberater vorgestellt: Der aus Los Angeles stammende Anwalt beriet bereits Mitt Romney im Wahlkampf und ist als konservativer Kritiker Obamas zu verorten. Ein Porträt.

          Topmeldungen

          Plan für Klimaneutralität : Die Stunde der Klimaretter

          Am Freitag will die Regierung den Plan für ein klimaneutrales Deutschland beschließen. Was kommt da auf uns zu? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

          Geringer Inflationsdruck : Amerikanische Notenbank senkt Leitzins abermals

          Wegen der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung der Vereinigten Staaten hat die amerikanische Notenbank Fed ihren Leitzins zum zweiten Mal in Folge um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Die Notenbanker fassten den Beschluss jedoch nicht einstimmig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.