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Islamistenprozess : Warten auf V-Mann „Murat“

Bewaffnete Polizeibeamte sichern einen Eingang des Oberlandesgerichts Celle während des Abu-Walaa-Prozesses. Bild: dpa

Wird der einstige Polizeispitzel, der die Ermittler auf Anis Amri brachte, im Abu-Walaa-Prozess in Celle erscheinen?

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          An diesem Mittwochmorgen werden sich die Augen noch einmal gespannt auf die Tür des engen Hochsicherheitssaals im Oberlandesgericht Celle richten. Geladen ist das Phantom der deutschen Terrorermittlungen, der frühere V-Mann „Murat“, der einst Anis Amri nach Berlin fuhr und die Behörden vor dem späteren Weihnachtsmarktattentäter warnte. Als „VP01“ war er einst der beste Trumpf der Ermittler, mit dem sie an Informationen aus dem Innersten des Kreises um den Hildesheimer Prediger Abu Walaa kamen, der mit seinen Glaubensgenossen in Celle vor Gericht steht.

          Alexander Haneke
          Redakteur in der Politik.

          „Murats“ Angaben bilden das Rückgrat der Anklage gegen das Netzwerk um Abu Walaa, den die Bundesanwaltschaft für den einstigen Statthalter des „Islamischen Staates“ in Deutschland hält. Doch in Erscheinung getreten ist Murat in Celle nie. Als V-Mann ist er grundsätzlich für Aussagen gesperrt. Was er erlebt hatte, konnten die Prozessbeteiligten allein von dessen V-Mann-Führer erfragen. Murat selbst lebte lange als „abgeschalteter“ V-Mann, streng bewacht in einem Zeugenschutzprogramm, bis er sich selbst seines Schutzes entledigte.

          Das wichtigste Rekrutierungsnetzwerk der Dschihadisten

          Seit bald drei Jahren schon verhandelt der Staatsschutzsenat fast jeden Dienstag und Mittwoch gegen Abu Walaa und seine Mitangeklagten. Der inzwischen 36 Jahre alte Iraker, der 2003 als Asylbewerber nach Deutschland kam, betrieb bis zu seiner Festnahme 2016 einen Moscheeverein in Hildesheim, der zu einem der Hauptanlaufpunkte für junge Dschihadisten wurde, die sich dem IS anschließen wollten. Die Mitangeklagten Hasan C. und Boban S. unterrichteten damals in Duisburg und Dortmund junge Dschihadisten und radikalisierten sie – so die Anklage – mit Inhalten des IS, um sie innerlich auf die Ausreise vorzubereiten und dann zu Abu Walaa zu schicken.

          Der Kreis galt als das wichtigste Rekrutierungsnetzwerk des IS in Deutschland, in dem sich auch Anis Amri vor seinem Umzug nach Berlin bewegte, genau wie die jungen Islamisten, die im April 2016 einen Sprengsatz vor einem Essener Sikh-Tempel zündeten. Die Sicherheitsbehörden hatten Abu Walaa schon lange auf dem Schirm, konnten ihm aber keine Straftaten nachweisen, bis sie es schafften, von NRW aus „Murat“ in den Kreis zu schleusen.

          Im Sommer 2016 reichten die Hinweise schließlich, um Durchsuchungsbeschlüsse für eine großangelegte Razzia bei den Angeklagten zu bekommen. Nachdem kurz darauf ein zurückgekehrter Dschihadist als Kronzeuge auspackte, wurden Abu Walaa und seine Mitangeklagten im November 2016 festgenommen; seitdem sitzen sie in Untersuchungshaft. Kurz zuvor hatte der Iraker auf seinem Telegram-Kanal noch dazu aufgerufen, den Verräter „Murat“ zu „vernichten“. Am 19. Dezember raste Anis Amri, den die Berliner Sicherheitsbehörden trotz der Warnungen des V-Mannes aus den Augen verloren hatten, dann in Berlin mit einem Lkw auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz. Elf Menschen starben. „Murat“ hatte Amri das erste Mal im November 2015 in Duisburg getroffen und ihn dann eng begleitet. Doch seine Warnungen vor dem aggressiven jungen Tunesier wurden in den Sicherheitsbehörden nicht ernst genug genommen.

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