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Proteste in Dresden : So sieht das Ausland Pegida

„Pegida“-Demonstranten in Dresden am 15. Dezember Bild: Reuters

Nicht nur in Deutschland wird über Pegida debattiert. Auch ausländische Medien berichten mit sorgenvollem Unterton über die Proteste gegen die angebliche „Islamisierung des Abendlandes“.

          Seit bei den Montagsdemonstrationen der „Pegida“ (Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes) in Dresden Woche für Woche tausende Menschen auf die Straße gehen, berichten auch führende ausländische Medien ausführlich über die Proteste. Die Reporterin der New York Times bezeichnet die Demonstranten als eine bunte Mischung aus Rechtsextremen, jungen Hooligans und ganz normalen Leuten, die sich durch Einwanderer an den Rand der Gesellschaft geschoben fühlten. Die „Pegida“-Bewegung habe einen Nerv getroffen. Bisher sei Deutschland nicht für Populismus dieser Art anfällig gewesen, wie etwa im Nachbarland Frankreich, wo der rechtsextreme Front National große Wahlerfolge feiere. Und es gebe in Deutschland keine autoritären politischen Führer wie etwa Victor Orban in Ungarn.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Dass „Pegida“ vor allem den Slogan der DDR-Bürgerrechtsbewegung „Wir sind das Volk“ für rechtsextreme Proteste missbrauche, schreibt die britische Zeitung „The Guardian“. Durch den Verweis auf die Freiheitskämpfer der DDR und ihre Montagsdemonstrationen gäbe sich „Pegida“ den Anschein moralischer Seriosität, obwohl hunderte Rechtsextreme mit marschierten. „Die Pegida-Botschaften legen Vergleiche mit der Propaganda des Dritten Reichs nahe“, zitiert der Beitrag den Berliner Extremismusforscher Hajo Funke.

          Auch ausländische Touristen, so die Beobachtung, fühlten sich unwohl angesichts des von Polizisten eskortierten „Pegida“- Aufmarschs. Mario Lupo, ein 40 Jahre alter Tourist aus Mailand, beobachtete die Demonstration, während er an seinem Becher Glühwein nippte auf Deutschlands ältestem Weihnachtsmarkt, dem Dresdner Striezelmarkt. „Wir sind hierher gekommen wegen der Romantik und Herzlichkeit der Weihnachtsmärkte“, erzählte er dem „Guardian“-Reporter. „Wir haben eine beschwingte, fröhliche Stimmung zu dieser Jahreszeit erwartet, aber nicht damit gerechnet, unter hetzerische Aufwiegler und Polizisten in Kampfmontur zu geraten.“

          Die britische BBC hatte eine Reporterin live vor Ort. Es sei sehr schnell klar geworden, so ihr Fazit, dass sich die Proteste gegen Asylbewerber richteten und nicht gegen Islamisierung. „Vor einigen Jahren wären solche Szenen in diesem Land unvorstellbar gewesen“, so die Korrespondentin. Viele Menschen in Deutschland seien beschämt und entsetzt. Nicht nur wegen der Zahl der Demonstranten, sondern auch wegen ihrer Unterstützung durch rechtsextreme Gruppen.

          Viele Politiker seien auch darüber überrascht worden, dass viele der Demonstranten in Dresden keine Extremisten oder Neo-Nazis seien, sondern besorgte Mütter und Rentner.

          Die schiere Zahl der Teilnehmer bei den Demonstrationen habe eine öffentliche Debatte über Einwanderung erzwungen. Es sei eine Debatte, bei der sich viele sehr unwohl fühlten. Aber es sei eine Debatte, von der viele sagten, dass sie nicht länger ignoriert werden könne, urteilt die BBC-Reporterin.   

          Die „Washington Post“ untersucht die Frage, wie der rasante Aufstieg der Anti-Islam-Bewegung in Dresden zu erklären sei. Die Zeitung führt dies unter anderem darauf zurück, dass die neuen Proteste in Ostdeutschland stattfänden. Während solche Kundgebungen in Westdeutschland wenig Zulauf fänden, fielen sie in den neuen Bundesländer auf fruchtbaren Boden. Obwohl etwa in Sachsen nur wenige Asylsuchende und Einwanderer lebten. „Viele Menschen kennen deshalb nur wenige bis keine Ausländer - und haben gerade deshalb Angst vor dem Unbekannten“, zitiert die „Washington Post“ den Politikwissenschaftler Werner Patzelt.

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