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Proteste gegen Fluglärm : Mit Turbulenzen ist zu rechnen

Unübliche Schlange vor dem Check-in: „Montagsdemonstration“ im Frankfurter Terminal 1 Bild: Felix Schmitt

An diesem Samstag kommt es in Frankfurt und Berlin zu Protesten gegen Fluglärm. Dass ihre Forderungen zu spät kommen, verstärkt die Wut der Betroffenen zusätzlich.

          Das böse Erwachen hat ein Datum, es ist der 21. Oktober 2011. An diesem Tag landen die ersten Flugzeuge auf der neuen Nordwestbahn des Frankfurter Flughafens. Von da an erleben die Menschen im westlich gelegenen Flörsheim und im Frankfurter Süden, was es heißt, direkt unter der Einflugschneise eines Weltflughafens zu leben. Sie sind schockiert. Manche erstarren in einem Gefühl der Machtlosigkeit, andere wagen den öffentlichen Protest mit Trillerpfeife und Plakaten, viele davon zum ersten Mal in ihrem Leben. Sie wollen von Kommunal- und Landespolitik erzwingen, was rechtlich kaum mehr möglich scheint: Die Landebahn soll wieder weg. Mindestens aber soll sie in der Nutzung stark eingeschränkt werden.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Einer, den der Schock unvermittelt traf, ist der Flörsheimer Erwin Barth. Der Mann mit dem exakt gescheitelten weißen Haar hat sein Arbeitsleben hinter sich. Vor 35 Jahren baute er sich ein Häuschen am Ortsrand „mit Fernblick bis nach Frankfurt. Besonders schön an Silvester“, sagt er. Barth hat schon viel versucht, er hat beim Fluglärmtelefon angerufen, beim Fluglärmbeauftragten des Landes. Dort werde er nur „veräppelt, sonst nichts“, sagt er. Barth geht zu Protesten, aber wegziehen will er nicht, dafür sei er zu alt.

          Die nächsten Wahlen sind nicht weit

          Inzwischen gibt es etliche Bürgerinitiativen und „Montagsdemonstrationen“ am Flughafen. Versammlungen werden organisiert, zu denen die eingeladenen Politiker meistens brav kommen, die nächsten Wahlen sind nicht weit. Zu ihrem bundesweiten Protesttag am Samstag erwarten die Bürgerinitiativen bis zu zehntausend Teilnehmer.

          Ein Hauch von Stuttgart 21 ist am Frankfurter Flughafen zu spüren - und nicht nur da. In Berlin-Schönefeld, am Standort des voraussichtlich im Juni fertiggestellten Großflughafens, wollen sich zur gleichen Zeit jene versammeln, die seit Monaten gegen die Lärmbelastung in ihren Wohngebieten demonstrieren. Für den 24. März ist ein weiterer Aktionstag geplant, an dem auch Bürger in Leipzig, Köln, Bonn und München gegen den Lärm ihrer Flughäfen protestieren wollen.

          Ein Hauch von Stuttgart 21: Proteste gegen die Routen des Flughafen Berlin Brandenburg International Bilderstrecke

          Im Minutentakt fliegen die Maschinen über die Häuser in der Einflugschneise. Beim Flughafenbetreiber Fraport weiß man schon lange, dass es mancherorts eigentlich zu laut ist, um dort zu wohnen - beispielsweise in Teilen von Flörsheim. Deshalb kauft Fraport besonders betroffene Häuser auf - wenn die Besitzer das wollen. „Casa“ nennt sich das Programm. Doch es ist eng begrenzt. Der Ärger ist bisweilen auch deshalb so groß, weil das eigene Haus unmittelbar jenseits der Ankaufgrenze liegt.

          Manche Wohnsiedlungen werden in einer Höhe zwischen 500 und weniger als 250 Metern überflogen. Weil Flugzeuge in der Regel gegen die Windrichtung landen, sind je nach Wetterlage andere Viertel von Fluglärm betroffen. Kommt der Wind aus Osten, was an etwa 25 von 100 Tagen der Fall ist, fliegen die Flugzeuge aus Richtung Westen an. Dann sind die Flörsheimer die Leidtragenden. Drei Viertel aller Tage herrscht allerdings die sogenannte Westwetterlage. Dann fliegen die Maschinen von Osten über die südlichen Teile Frankfurts an.

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