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Proteste gegen Flüssigerdgas : Nord-Ostsee-Kanal nach Sperrung wieder frei

  • Aktualisiert am

Blockade geglückt: Eine Klimaaktivistin in Siegerpose am Samstag im Wasser des Nord-Ostsee-Kanals Bild: Reuters

Mehrere Hundert Demonstranten haben Gleise besetzt und den Schiffsverkehr auf dem Nord-Ostsee-Kanal zum Erliegen gebracht. Es geht ihnen um mehr als Klimaschutz.

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          Bei einer Demonstration gegen ein geplantes Terminal für Flüssigerdgas (LNG) in Brunsbüttel haben am Samstag Aktivisten Gleise in einem Industriegebiet besetzt und eine Sperrung des Nord-Ostsee-Kanals mit Kanus verursacht. Nach Angaben der Organisatoren des Bündnisses „Ende Gelände“ wurden Schienen zu zwei Industrieunternehmen auf beiden Seiten des Nord-Ostsee-Kanals blockiert. Mehrere Aktivisten befuhren den Kanal bei Hochdonn (Kreis Dithmarschen) mit Kanus. Der Schiffsverkehr wurde eingestellt.

          Die Sperrung wurde inzwischen aufgehoben, der Kanal sei wieder frei, sagte ein Polizeisprecher am Samstagabend. Bereits zu Beginn des Aufzugs am Vormittag hatten sich die Demonstranten auf einer Kreuzung niedergelassen und diese einige Zeit blockiert. Die Polizei war mit mehreren Hundert Beamten aus verschiedenen Bundesländern im Einsatz.

          Eine Sprecherin von „Ende Gelände“ warf dem Werkschutz eines Unternehmens vor, mit Steinen nach den Demonstranten geworfen zu haben. Ein Sprecher der Polizei sagte, es liege ein Video vor und bat Zeugen des Vorfalls, sich zu melden.

          Rund 2000 Teilnehmer der Proteste hatten bereits vor dem Wochenende ein Zeltlager in einem Park der Stadt aufgebaut. Von dort aus machten sie sich am Samstagmorgen auf den Weg zur Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal, der in Brunsbüttel die Elbmündung erreicht. Die Aktionen standen unter dem Motto „Sauberes Gas ist eine dreckige Lüge“. Unterstützt wird „Ende Gelände“ im Widerstand gegen die Anlage von der Deutschen Umwelthilfe und dem örtlichen „Klimabündnis gegen LNG“.

          In Brunsbüttel ist der Bau eines Terminals zum Umschlag von verflüssigtem Erdgas geplant. Die Stadt liegt auf der schleswig-holsteinischen Seite der Elbmündung. Das südliche Ufer gehört zu Niedersachsen. In Brunsbüttel erreicht der Nord-Ostsee-Kanal die Elbe. In der Stadt gibt es mehrere Chemieunternehmen.

          Aktivisten besetzen am Samstag das Gleis vor einem Chemieunternehmen in Brunsbüttel.
          Aktivisten besetzen am Samstag das Gleis vor einem Chemieunternehmen in Brunsbüttel. : Bild: dpa

          Die Organisationen lehnen den Import von LNG angesichts des Klimawandels ab. Er widerspreche den Klimazielen und dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutz, sagte Constantin Zerger von der Deutschen Umwelthilfe am Freitag. Er kündigte an, die Deutsche Umwelthilfe werde alle rechtlichen Mittel nutzen, um das Projekt zu stoppen. Es wäre angesichts eines zurückgehenden Erdgasbedarfs nicht wirtschaftlich zu betreiben. Die Demonstranten setzen sich auch gegen die Gewinnung von Erdgas mittels Fracking ein. Sie sehen darin eine Zerstörung der Lebensgrundlagen von Menschen in den betroffen Gebieten und eine Fortsetzung des Kolonialismus.

          Fracking zur Erdgasgewinnung wird unter anderem in den USA eingesetzt. Dabei wird Wasser – zum Teil mit Chemikalien versetzt – unter hohem Druck in gashaltige Gesteinsschichten gepresst, um Risse zu erzeugen und so das Gas freizusetzen. Fracking steht wegen seiner Auswirkungen auf die Umwelt in der Kritik.

          Die Kieler Koalition aus CDU, Grünen und FDP hatte das Projekt LNG-Terminal im Koalitionsvertrag verankert, ein Parteitag der Grünen rückte jedoch später davon ab. Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) sagte, er wünsche sich, dass das Terminal möglichst von vornherein auf grüne Gase wie Wasserstoff ausgerichtet werde.

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