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Protest gegen G-20-Treffen : Das ist doch der Gipfel!

Polizisten des Kommunikationsteams informieren Anwohner über zu erwartende Einschränkungen während des G20-Treffens in Hamburg. Bild: Henning Bode

Viele Hamburger sind vom Trubel um das bevorstehende G-20-Treffen genervt. Die ersten Demonstrationen haben sie bereits überstanden. Die Polizei versucht aufzuklären, verteilt Flugblätter – und bleibt optimistisch.

          Sascha Pramann, Hauptkommissar bei der Hamburger Polizei, freut sich: „Ist doch ganz schön, mal wieder zu Hause spazieren zu gehen.“ Zusammen mit Polizeikommissarin Janka Davids ist er im Karolinenviertel unterwegs, kurz Karoviertel genannt. Die beiden gehören zum Kommunikationsteam für den G-20-Gipfel am 7. und 8. Juli in der Stadt. Ihr Polizei-Infomobil steht heute vor der Rindermarkthalle, einem Einkaufszentrum. Vier Beamte sind dabei, zwei bleiben stationär unterm Sonnenschirm inmitten von Informationsmaterial, Polizei-Kugelschreibern, Polizei-Luftballons, Polizei-Fruchtgummitütchen.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die anderen beiden „laufen Streife“, wie sie es nennen. Sie tragen über der schwarzen Uniform eine grüne Warnweste, daran einen Anstecker „Ask me. G20. Ich helfe gern“. Im Karoviertel ist die Polizei traditionell nicht gerade willkommen. Und was die Bewohner vom Gipfel halten, zeigen sie überall, an Häuser- und Plakatwänden, in den Schaufenstern und auf bunten Transparenten: „No G20“, „Hecken statt schützen“, „Freiheit stirbt mit Sicherheit“, „G20 wo du wohnst“, „Gewerbetreibende gegen G20“. Die Plakatwände sind voll mit Hinweisen auf Demonstrationen gegen den Gipfel. Zwei Dutzend Demonstrationen sind angemeldet. Die ersten gab es am Wochenende. Es blieb friedlich, die Polizei schickte vorsichtshalber Großaufgebote.

          Jetzt liegt das Viertel friedlich im Sonnenschein

          Aus dem Karoviertel wird wohl mancher dabei sein gegen G20, auch bei „G20 welcome to hell“, der Autonomen-Demo am Vorabend des Gipfels,. Die gilt der Polizei als eine der Unwägbarkeiten in Sachen Sicherheit, denn dort wird mit Tausenden gewaltbereiten Demonstranten gerechnet. Und ganz bestimmt sind es nicht nur jene, die sowieso in Hamburg leben. Pramann erklärt das so: „Wenn man seine Klientel kennt, kann man sich darauf einstellen. Je mehr Unbekannte dabei sind, desto unübersichtlicher wird es.“

          Pramann gehörte einst mit zur Karo-Polizeiwache 16, im Einsatz gegen die Drogenszene. Er kennt jede Straße, jedes Haus. Jetzt liegt das Viertel friedlich im Sonnenschein. Die Leute sind nett zu den Polizisten. Ein junger Mann von Greenpeace hat nur die Sorge, mit einem Polizisten aufs Foto zu kommen. Nicht weil er etwas gegen Pramann und Davids hätte. Aber vermutlich wäre es kompromittierend für ihn in den eigenen Reihen. Eine Künstlerin mit lauter Stimme und Mops an der Seite interessiert, ob sie während des Gipfels von ihrer Wohnung in St. Pauli zu ihrem Atelier im Karoviertel kommt, zu Fuß, sie gehe immer zu Fuß. „Klar, das liegt nicht in der Sicherheitszone“, sagt Pramann. Sie antwortet ihm mit einem Lachen: „Da bin ich nun von Berlin weg, weil sie da jede Woche einen Koffer umzingeln. Jetzt komme ich nach Hamburg, und da ist G20.“

          Polizisten passieren in Hamburg zwei Demonstranten, die auf der Straße liegen.

          Die Polizisten haben Faltblätter dabei mit Karten drauf, die sie überall verteilen. Darauf eingezeichnet sind die beiden Sicherheitszonen rund um die Messehallen, dem eigentlichen Tagungsort der G20, und um die Elbphilharmonie, wo die Staatsgäste am Freitag zum Konzert mit Beethovens 9. Sinfonie geladen sind. Die rote Zone ist komplett tabu, in der gelben gibt es starke Einschränkungen. Freilich wohnen ohnehin nur wenige Hamburger in der gelben Zone um die Messehallen. In der Flora-Neumann-Straße betrifft es ein größeres Wohnhaus, das sogar regelrecht eingeklemmt sein wird zwischen dem Zaun der gelben und dem der roten Zone. Auch dort hängen überall „No G20“-Plakate in den Fenstern.

          Einer der Bewohner tritt gerade auf die Straße. Er bleibe während des Gipfels, sagt er gelassen. Im Dezember beim OSZE-Außenministertreffen habe er das alles ja schon mal erlebt. Das Treffen der Außenminister hatte in der Tat als eine Art Generalprobe für G20 gegolten. Auch da waren Tausende Polizisten im Einsatz, aber es blieb ruhig in der Stadt. Nur sein Auto, sagt der Mann, wolle er bei Freunden etwas außerhalb unterstellen. Er brauche es sowieso nicht allzu oft.

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